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GSLV ExplosionDer vierte Fehlstart dieses Jahres, und der zweite (bei nur drei Starts insgesamt) der indischen Weltraumagentur, ereignete sich am 25.12. um 11:38 mitteleuropäischer Zeit.  Die GSLV-F06 kam weniger als Minuten nach dem Abheben vom Kurs ab und zerbrach aufgrund der zu hohen aerodynamischen Lasten. Es sollte der erste Einsatz dieser Rakete mit der so genannten C15-Oberstufe werden, die gemeinsam mit Russland entwickelt wurde.

GSLV-F06 war die insgesamt siebte Mission des „Geosynchronous Satellite Launch Vehicle“ und die sechste der „Mark 1“ Version (und hier die vierte der Version Mark 1+). Sie sollte den 2.310 Kilogramm schweren Kommunikationssatelliten GSAT-5P in einen geosynchronen Transferorbit bringen.

Wie erste Verlautbarungen seitens der ISRO ergeben, ist der Versager auf einen Verlust der Flugsteuerung, 47 Sekunden nach dem Abheben, zurückzuführen. Zu diesem Zeitpunkt erhielten die vier steuerbaren Vikas-Booster der ersten Stufe keine Kontrollinputs mehr vom Flugrechner. Dies könnte durch einen Kabelbruch bewirkt worden sein, doch ist darüber noch keine vollständige Klarheit hergestellt.

Die GSLV ist – konstruktionsseitig – eine suboptimale Konstruktion, um den Sachverhalt milde darzustellen. Eine Feststoff-Zentralstufe mit vier flüssigkeitsbetriebenen Boostern (ideal wäre es andersherum), eine flüssigkeitsbetriebene Zweitstufe und eine in Russland entwickelte Drittstufe sind zu einem komplexen System verbunden, das auch für die Boden-Infrastruktur einen gewaltigen Aufwand bedeutet.

Die erste Stufe bildet ein massiver, 139 Tonnen schwerer, Feststoffmotor der mit Hyrdoxylterminiertem Polybutadien (HTPB) betrieben wird. An diesen Zentralkörper sind vier Booster, jede betrieben mit  42 Tonnen UH25 und N2O4 betrieben, angeflanscht. Bei diesen Boostern handelt es sich um in Lizenz gebaute Zusatzbooster aus dem Ariane 4-Programm. Angetrieben werden sie von in Indien – ebenfalls in Lizenz gebauten – Ariane 3 Viking-Triebwerke, welche die Bezeichnung „Vikas“ haben.

Der zentrale Feststoffmotor ist etwa 110 Sekunden in Betrieb, während die flüssigkeitsbetriebenen Booster für 147 Sekunden arbeiten. Das 20 Tonnen schwere leere Raketengehäuse muss nach dem Ausbrennen des Festtreibstoffes von den vier Boostern als totes Gewicht mitgeschleppt werden, bis auch sie ihren Treibstoff verbraucht haben. Erst danach kann die Stufentrennung erfolgen. Ungünstiger kann die Konstruktion einer Raketenstufe kaum gestaltet sein.

Die zweite Stufe ist weitgehend ein Lizenznachbau der Ariane 3-Zweitstufe. Sie wiegt 39,4 Tonnen, wird mit UH25 und N2O4 betrieben.

Die dritte Stufe ist eine russische Konstruktion. Sie wird mit Sauerstoff und Wasserstoff betrieben und weist eine Treibstoffzuladung von 15,4 Tonnen auf. Das Triebwerk dieser Stufe wird in Russland gebaut. Der Schub beträgt 73,5 kN und die Brennzeit 838 Sekunden.

Die Payload Fairing ist 8,6 Meter lang, hat einen Durchmesser von 4 Metern und besteht aus Kompositmaterial.

Insgesamt ist der Träger 51 Meter hoch, weist ein Startgewicht von 418 Tonnen auf. Er sollte den Satelliten in einen Übergangsorbit mit einem niedrigsten Bahnpunkt von 170 Kilometern und einem höchsten von 35.975 Kilometern bringen.

Die GSLV hat bei insgesamt sieben Starts nunmehr dreimal vollständig und einmal teilweise versagt. Bei diesem Teilversager, es handelte sich dabei um die erste GSLV-Mission konnte die Minderleistung aber von der Nutzlast – auf Kosten der Einsatzlebensdauer – ausgeglichen werden.