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Proton M Block DM 3 CR RoskosmosFür Glonass hätte es ein Jubiläumsstart werden sollen. Die letzte Lieferung zur Vollendung des russischen Satelliten-Navigationssystems. Derzeit befinden sich 23 voll funktionsfähige Einheiten im Orbit (drei weitere sind nur noch eingeschränkt diensttauglich). Zwei davon sind allerdings Reservegeräte, die nicht zur Vervollständigung der Konstellation beitragen sondern quasi als überzählige Einheiten auf bereits "gefüllten" Bahnen agieren. Somit stehen der Konstellation bislang 21 Einheiten zur Verfügung. 24 werden gebraucht, um das System weltweit ohne Einschränkungen nutzen zu können. Mit den drei neuen Einheiten wäre sie nun komplett gewesen.  Doch es kam anders als geplant.

Zunächst verlief aber noch alles wie im Textbuch. Pünktlich um 11:25Uhr mitteleuropäischer Zeit hob der Träger unter wolkenlosem Himmel in Baikonur ab. Die ersten drei Stufen arbeiteten augenscheinlich problemfrei und die Flugkontrolle ging davon aus, dass die Block DM-3-Oberstufe die drei Satelliten auf der üblichen Übergangsbahn im niedrigen Erdorbit abgesetzt hatte.

Die Block DM sollte danach im Rahmen von zwei Brennmanövern die Kombination in die endgültige Umlaufbahn bringen. Auf eine Inklination von 65 Grad und einer Bahnhöhe von 19.300 Kilometer.

Was dann geschah ist noch nicht endgültig geklärt, doch zeichnet sich ab, dass die mechanischen Funktionen der Oberstufe reibungslos funktionierten aber ein grotesker Fehler der Bodenmannschaften erfolgt war. Die neue Block DM-Variante mit der Nummer drei kann ca. 1.800 Kilogramm mehr Treibstoff aufnehmen als die ältere Version. Für diesen Flug war aber diese größere Treibstoffmenge gar nicht notwenig, wurde aber trotzdem betankt. Diese schwerere Last konnte nun von der dritten Stufe der Proton nicht wie vorgesehen in einen niedrigen Erdorbit gebracht werden. Die Kombination aus Block DM-3 und den drei Satelliten landete somit statt auf einer Orbitalbahn auf einer suborbitalen Trajektorie und stürzte 1.500 Kilometer südlich von Hawaii in den Pazifik.

Die Programmierung der Block DM ist sehr starr. Sie spult lediglich ein vorgegebenes Flugschema ab ohne auf die aktuellen Flugdaten des Trägers einzugehen. Dies hinderte sie dann auch daran, die zu niedrige Geschwindigkeit mit dem ohnehin reichlich vorhandenen Treibstoff einfach zu kompensieren. Sie war darauf programmiert, erst nachdem sie einen stabilen Parkorbit erreicht hatte die beiden Brennmanöver zu absolvieren, die notwendig waren, um die die drei Glonass-Satelliten in den richtigen Orbit zu liefern.

Die Block DM fliegt derzeit auch auf der Zenit 3, wird dort aber in Zukunft durch die Fregat-SB Oberstufe ersetzt, die aus dem Sojus-Programm stammt.

Der letzte Fehlstart einer Proton M ereignete sich im September 2007. Damals trennten sich die erste und zweite Stufe nicht ordnungsgemäß, was in der Folge nicht nur den Träger sondern auch den an Bord befindlichen japanischen Kommunikationssatelliten zerstörte. Die letzte Mission, bei der eine Oberstufe des Typs Block DM die Fehlerursache war im Juni 2004, als eine Sea Launch Zenith 3 - mit Block DM Oberstufe - einen Kommunikationssatelliten in einem zu niedrigen Orbit absetzte.

Soweit die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass die Block DM soweit es die Proton betrifft, ausschließlich für russische Starts verwendet wird. Für alle kommerziellen und internationalen Starts wird die modernere und flexiblere Breeze-M verwendet.

Die Block D-Oberstufe war ursprünglich ein Teil des geplanten sowjetischen Mondlandekomplexes. Nachdem aber die Trägerrakete N1 vier gescheiterte Flüge hinter sich hatte, wurde dieses Programm eingestellt. Die bereits entwickelte Stufe Block D wurde dann für Flüge in hohe Orbits in das Proton-Programm übernommen und flog später auch auf der Zenit-Rakete. DM-3 steht daher für die dritte Modifikation von Block D.

Die Proton M selbst hat seit etwa 2 Jahren im Monatstakt erfolgreiche Starts durchgeführt. Die letzten Fehlschläge(abgesehen von der beschriebenen verunglückten Stufentrennung) resultierten aus Fehlfunktion der damals noch neuen Breeze-M Oberstufe. Fehlstarts in der Erprobung sind durchaus häufig, auch wenn sie natürlich kein Betreiber wünscht. Ein Fehlstart einer lange eingeführten und häufig geflogenen Stufe ist hingegen ein relativ ungewöhnliches Ereignis. Der Schaden liegt bei dieser gescheiterten Mission bei einigen 100 Millionen Euro.

Inzwischen ist die Proton für den nächsten Start, der bereits in einigen Tagen erfolgen soll, wieder freigegeben worden. Dieser Träger wird mit einer Breeze M-Oberstufe ausgestattet sein, die von dem Fehler nicht betroffen ist.

Astra