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Start; Credit: Pat Corkery UlaEine Trägerrakete des Typs Delta 4 "Heavy" - das leistungsstärkste US-Raumtransportsystem nach dem Shuttle - brachte gestern Nacht einen Aufklärungssatelliten des National Reconnaissance Office in den Orbit. Unter wolkenverhangenem Himmel zündeten am Startkomplex 37 der Cap Canaveral Luftwaffenbasis um 17:58 Uhr US-Ostküstenzeit (entsprechend 23:58 Uhr mitteleuropäischer Zeit) die Triebwerke der drei so genannten Common Core Booster und der über 700 Tonnen schwere Träger begann seine Reise in den Orbit. Die Mission war der vierte Start dieses größten Trägers der Delta-IV-Familie. Es kann so viel Nutzlast in den Orbit bringen, wie kein anderes unbemanntes Raumtransportsystem der Gegenwart: 23 Tonnen in die niedrige Erdumlaufbahn, etwa 13 Tonnen in den Transferorbit zur geostationären Bahn oder etwa sieben Tonnen direkt auf die geostationäre Bahn.

Für den Beobachter ungemein spektakulär ist der Umstand, dass die Rakete in den ersten Sekunden des Starts fast vollständig in Flammen gehüllt ist, denen sie dann majestätisch entsteigt. Diese Schauspiel entsteht durch den besonderen Ablauf des Zündvorgangs der RS-68 Triebwerke. Diese werden zunächst mit flüssigem Wasserstoff vorgekühlt, der unten aus der Düse entweicht. Erst nach einigen Sekunden wird auch der flüssige Sauerstoff zugeführt und dann die Zündung eingeleitet. Der überschüssige freie Wasserstoff wird durch die so genannten Spark Igniters auf der Rampe abgefackelt um keine ungesteuerten Explosionen zu verursachen. Dies erzeugt den für Delta IV-Starts so charakteristischen Flammenball.

30 Sekunden nach dem Abheben verschwand die Rakete in den Wolken. Danach mussten die Zuschauer der Startübertragung mit einer Computeranimation vorlieb nehmen. Und auch die wurde sieben Minuten nach dem Verlassen der Startrampe beendet. Auf Verlangen  des Kunden, wie ein Sprecher der United Launch Alliance bekanntgab. Zu diesem Zeitpunkt verlief der Flug völlig nominal.

Der "Kunde" machte auch keinerlei Aussagen zur Nutzlast, die als NROL-32 bezeichnet wird (National Reconnaissance Office Launch 32).  Es handelt sich  mit großer Sicherheit um einen Lauschsatelliten der "Mentor"-Klasse mit einer Entfalt-Antenne von etwa 100 Metern Durchmesser.  NROL-32 wird aus dem geostationären Orbit seine Überwachungstätigkeit vornehmen.

Letztere war somit auch das Ziel des gestrigen Starts. Obwohl das Militär keine genaueren Angeben zur Orbitposition Ihres neuen Aufklärers macht, geht man von der Positionierung auf 127° aus, wo er seinen Vorgänger, Mentor 1, ersetzen soll. Der befindet sich dort seit 15 Jahren und dürfte sich dem Ende seiner Einsatzdauer nähern. Die Delta 4 ist neben der Proton M die weltweit einzige Trägerrakete, die in der Lage ist, Satelliten direkt im geostationären Orbit abzuliefern. Dafür sind drei Brennmanöver der Oberstufe notwendig, verteilt über einen Zeitraum von sechs Stunden.

Mit NROL -32 ist bereits der zweite Start auf der Delta IV Heavy für das NRO Programm durchgeführt worden. Im Januar ist dann auch schon die nächste Mission der "Heavy" geplant. Dann soll NROL-49 von der Vandenberg Luftwaffenbasis in Kalifornien aus in den Orbit gebracht werden. Starts von der Westküste aus sind stets stark gegen den Äquator geneigt und haben nicht selten einen polaren Orbit zum Ziel.

Der Start am 22. November war der 351. Flug eines Trägers aus dem Delta-Programm, das bis auf das Jahr 1960 zurückgeht. Es war der 14. Flug einer Delta IV und die 4. Mission der Delta IV Heavy.

Astra