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satelliten; Credit: Lou Hernandez UsafIn einer Zeit, in der Raumfahrtmissionen manchmal Milliarden kosten, ist ein Flug bei dem gleich acht Satelliten für insgesamt - einschließlich der Trägerrakete - nur 120 Millionen Euro in den Weltraum gebracht werden fast schon ein Schnäppchen. Dies gelang am späten Nachmittag des 19. November (Ortszeit in Alaska) mit einem Träger des Typs Minotaur 4. Dieses Vehikel verwendet in den ersten drei Stufen Feststoffmotoren der "Peacekeeper"-Interkontinentalraketen, die vor einiger Zeit aus dem Dienst genommen wurden. Die vierte Stufe stammt aus dem Pegasus-Programm von Orbital Sciences.

Der Start des gut 23 Meter hohen Trägers erfolgte von Kodiak Island um 16:24 Uhr Alaska-Zeit, kurz vor Sonnenuntergang. Zu diesem Zeitpunkt war es in Mitteleuropa bereits 2:25 Uhr am 20. November. Die Zielbahnen für die acht Satelliten lagen zwischen 641 und 652 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung um 72 Grad. Die Gesamtmasse des Oktetts lag bei etwa 400 kg.

Nach dem Aussetzen aller Satelliten wurde als fünfte Stufe ein neuartiges Antriebsmodul erprobt, das so genannte Hydrazine Auxiliary Propulsion System, kurz: HAPS. Damit wurden zwei Masse-Attrappen auf eine Umlaufbahn in einer Höhe von 1.150 Kilometern transportiert. Mit diesem System wird es möglich sein auch bei der Verwendung relativ kleiner Trägerraketen mehrere Satelliten bei nur einem Start auf unterschiedliche Bahnen zu befördern.

Die Beschleunigung der Minotaur 4 war beträchtlich, ein deutlicher Hinweis auf den militärischen Ursprung des Trägers. Schon 30 Sekunden nach dem Abheben war die Schallgeschwindigkeit überschritten. Die erste Stufe war nach 60 Sekunden ausgebrannt, weitere 72 später die zweite Stufe und 3 Minuten und 20 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe hatte auch die dritte Stufe ihren Dienst erfüllt. Die erzielte Geschwindigkeit betrug danach 6,7 Kilometer pro Sekunde. Danach begann eine antriebslose Flugphase in welcher der Träger mit den Satelliten zum Scheitelpunkt der suborbtialen Bahnparabel aufstieg.

Zwölf Minuten und 45 Sekunden nach dem Abheben wurde die ausgebrannte dritte Stufe abgeworfen. Nach 13 Minuten und 21 Sekunden war der Scheitelpunkt der Bahn erreicht und dann zündete der Orion 38-Motor der vierten Stufe, der eine Brennzeit von 67 Sekunden hatte, und die Nutzlast schließlich auf Orbitalgeschwindigkeit brachte.

21 Minuten und 45 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe wurde FASTSat abgesetzt. 31 Minuten und 50 Sekunden nach dem Abheben die beiden FASTRACS's. Danach in Minutenabständen die anderen Nutzlasten.

36 Minuten nach dem Beginn der Mission trennte sich die vierte Stufe vom HAPS-System, das bei 39 Minuten und 30 Sekunden ein erstes Brennmanöver durchführte um einen neuen Orbit in über 1.100 Kilometern Höhe anzusteuern. 97 Minuten nach dem Start führte das HAPS-System ein zweites Brennmanöver durch, bei dem die Bahn zirkularisiert wurde. Drei Minuten später war der Brennschluss erreicht und die Mission von der Trägerseite her damit erfolgreich abgeschlossen. 

Die acht Raumfahrzeuge dienen vor allem der Erprobung neuer Technologien und kosteten zusammen 84 Millionen Dollar. Auf den Träger selbst entfielen Kosten in Höhe von 36 Millionen.

Bei der Mission wurden die folgenden Satelliten in den Orbit gebracht:

  • STPSat 2, ein Technologiesatellit des US-Verteidigungsministeriums. Mit einem Gewicht von 180 kg bildet er die Hauptnutzlast der Mission. Das Raumfahrzeug wurde unter der Leitung von Ball Aerospace bei der ComTech Aero Astro Inc. gebaut.
  • FASTRAC 1 und 2, zwei je 15 Kilogramm schwere Satelliten zur Erprobung von Formationsflügen.
  • FalconSat 5, ein Technologiesatellit der US Air Force Academy.
  • FASTSat-HSV 01, ein Raumfahrzeug zur Erprobung neuartiger Sensoren. Mit einem Gewicht von 140 kg zweitschwerste Nutzlast an Bord.
  • RAX, ein drei Kilogramm schwerer Kleinsatellit zur Erforschung der Ionosphäre, gebaut von Studenten der Universität Michigan.
  • O/OREOS, ein fünf Kilogramm schwerer Technologieerprobungssatellit der Stanford University zur Aufbewahrung und Handhabung biologischer Proben im Weltraum, und schließlich
  • NanoSail D2. Hierbei handelt es sich um einen vier Kilogramm schweren Kleinstsatelliten, der nach Auslösen einer Mechanik in sicherer Entfernung von den anderen Satelliten ein etwa zehn Quadratmeter großes Segel entfaltet. Dieses wird durch die Teilchen der Hochatmosphäre aufgrund seiner größeren Fläche stärker abgebremst als normale Satelliten. Mit NanoSail D2 will man erproben, ob derartige Satelliten dafür geeignet sind, angeheftet an ausgediente Raumflugkörper und Weltraumschrott, diese deutlich schneller zum Absturz in dichte Schichten der Erdatmosphäre zu bringen. Damit will man der zunehmen Müllproblematik in niedrigen Erdumlaufbahnen zu Leibe rücken.

Die Mission am 19. November war der dritte Einsatz einer Minotaur 4. Es ist gleichzeitig der zweite Flug der vom Alaska Spaceport erfolgt. Die erste Mission von dort fand im Jahre 2001 statt, damals mit einer ähnlichen Multi-Satellitennutzlast. 

Astra