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Klimatisierung Nutzlastverkleidung; Credit: Chrunitschew Die hohe Startfrequenz hält unvermindert an. Am 24. November fand in Baikonur, Kasachstan, bereits die 68. Raumfahrtmission des Jahres 2009 statt. Diese Zahl war der Endstand des vergangenen Jahres gewesen und schon da die höchste Missionszahl seit acht Jahren. Gestern nun, um 14:19 Uhr mitteleuropäischer Zeit (18:29 Uhr zentralasiatischer Zeit), startete eine Proton M Breeze M von der Startanlage 39 des Weltraumbahnhofs mit dem europäischen Nachrichtensatelliten Eutelsat W7 in den Orbit. Der Flug hatte sich um einen Tag verzögert, weil die Genehmigung der kasachischen Behörden noch nicht eingetroffen war. Seit Russlands zentraler Weltraumbahnhof in Kasachstan liegt kommt es immer wieder zu politischen Sticheleien dieser Art.

Der Liftoff erfolgte in der Dunkelheit der frühen Abendstunden und einer für die kasachischen Steppe um diese Jahreszeit typischen Hochnebellage. Schon wenige Sekunden nach dem Abheben war der Träger in den dichten Wolken verschwunden.

Das Flugprofil war, eine Besonderheit für Starts von hohen geografischen Breiten die auf geostationäre Bahnen gehen, extrem lang dauernd. Es dauerte insgesamt 9 Stunden und 12 Minuten bis die Breeze M-Oberstufe nach fünf Brennmanövern den Satelliten freigeben konnte. Zum Vergleich: Eine Ariane 5 trennt sich etwa 30 Minuten nach dem Abheben von der Nutzlast und die Oberstufe benötigt dazu nur eine einzelne Brennphase. Am 23. November dauerte der Start von Intelsat 14, der seine Reise auf einer geografischen Breite von 28 Grad begann, immerhin schon zwei Stunden und die Oberstufe war über zwei Antriebsperioden aktiv.

 Rollout; Credit: Chrunitschew
 Aufrichten der Rakete; Credit: Roskosmos
 Aufrichten der Rakete; Credit: Chrunitschew
 Aufrichten der Rakete; Credit: Roskosmos

Der am Schluss erzielte Transferorbit wies einen niedrigsten Bahnpunkt von 4.920 Kilometern, einen höchsten Bahnpunkt von 35.600 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 20,9 Grad auf. Den restlichen Weg bis zum geostationären Orbit legt der Satellit mit seinen Bordtriebwerken zurück.

Die Mission erfolgte weniger als drei Monate nachdem International Launch Services (ILS), der kommerzielle Vermarkter der Proton M, den Start von W7 dem im Insolvenzverfahren nach Chapter 7 befindlichen Unternehmen Sea Launch weggeschnappt hatte. Seitdem das Verfahren läuft hat Sea Launch schon sieben Startaufträge an die Konkurrenz verloren.

ILS hat jetzt einen Bestand von 24 Startaufträgen für die Proton M angesammelt. Einer davon wird noch in diesem Jahr stattfinden, sieben oder acht weitere im kommenden Jahr.

Der 5.630 Kilogramm schwere W7 wird der leistungsstärkste Satellit in der Eutelsat-Flotte sein. Er wurde von Thales Alenia Space in Frankreich auf der Basis der Spacebus 4000C4-Plattform gebaut. Das Raumfahrzeug trägt 70 Ku-Band Transponder. Die Lebensdauer ist auf 15 Jahre veranschlagt. Er wird auf 36 Grad östlicher Länge stationiert werden und Kommunikationsdienste für Afrika, Europa, Russland, den mittleren Osten und Zentralasien bereitstellen. Auf seiner Arbeitsposition wird er den seit 10 Jahren im Einsatz befindlichen SESAT 1 ersetzen. Dieser Satellit wird danach auf einer weniger stark frequentierten Position stationiert.

Astra