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Credit: ULA Pat Corkery Die Atlas 5 ist eine extrem teure Trägerrakete und wird demzufolge fast ausschließlich für US-Regierungsmissionen verwendet. Nur gelegentlich werden auch für kommerzielle Anbieter Starts durchgeführt. Einer dieser wenigen und für die absehbare Zukunft auch die letzte kommerzielle Mission fand am 23. November von Cap Canaveral aus statt. Eingesetzt wurde die Atlas in der selten geflogenen Konfiguration 431, mit einer Nutzlastverkleidung von vier Metern Durchmesser, drei Feststoffmotoren und einem einzelnen Centaur-Triebwerk in der zweiten Stufe. In dieser Version ist die Atlas erst einmal geflogen, und zwar im März 2005 beim Start des Mobilfunksatelliten Inmarsat 4-F1.

 Credit: ULA Pat Corkery
 Credit: ULA Pat Corkery
 Credit: ULA Pat Corkery

An der Spitze des Trägers befand sich der 5.600 Kilogramm schwere Kommunikationssatellit Intelsat 14, der Nachrichtendienste zwischen Nord- und Südamerika und Afrika und Europa durchführen soll. Intelsat 14 ist mit 40 C-Band und 22 Ku-Band Transpondern ausgerüstet und für eine Lebensdauer von 15 Jahren ausgelegt. Er wurde von Space Systems/Loral gebaut.

Der Start verlief völlig problemlos. Knapp drei Sekunden vor dem Abheben zündete das einzelne RD-180 Triebwerk. Danach erfolgte der Funktionscheck des Motors, den die Computer in den wenigen verbleibenden Sekunden bis zum Start absolvieren. Zum Zeitpunkt T+ 0,8 Sekunden zündeten auch die Booster. Weitere drei Zehntelsekunden später wurden die Halteklammern gelöst und die 19 Stockwerke hohe Rakete begann ihren Aufstieg in den Nachthimmel über Florida.  

Die von Aerojet hergestellten Feststoffbooster brennen für 90 Sekunden und unterstützen in das RD-180 Triebwerk in der ersten Startphase. Die leeren Gehäuse bleiben nach dem Ausbrennen noch für weitere 40 Sekunden an der Rakete befestigt, bis eine geeignete Abwurfzone erreicht ist. Erst dann werden sie vom Träger abgetrennt. Die Anzahl der Zusatzbooster richtet sich nach dem Gewicht der Nutzlast. Die Atlas 5 der 400er-Serie kann zwischen Null und drei Booster aufnehmen.  Die 500er-Serie fliegt mit bis zu 5 Boostern. Diese Feststoffraketen haben fix montierte Düsen und somit nicht die Fähigkeit, zur Steuerung der Kombination beizutragen. Die Flugsteuerung wird deshalb in jeder Variante ausschließlich vom RD-180 Hauptmotor übernommen. Jeder Booster ist 20 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 1,5 Metern und wiegt beim Start 45 Tonnen. Sie haben ein Gehäuse aus Grafit-Epoxy und werden mit  einem Treibstoff mit der Bezeichnung "1.3 HTBP (Hydroxyl-terminated polybutadiene)"  betrieben. Jeder Feststoffmotor hat einen Maximalschub von etwa 180 Tonnen und eine durchschnittliche Schubleistung von etwa 120 Tonnen.

Die bronzefarbene Hauptstufe feuerte für insgesamt 4 Minuten und 27 Sekunden. Sechs Sekunden nach Brennschluss wurde auch sie abgeworfen und das einzelne Centaur-Triebwerk der zweiten Stufe übernahm den weiteren Antrieb. Die erste Brennphase der zweiten Stufe dauerte bis 14 Minuten nach dem Liftoff. Danach befand sich die Stufe mit dem Satelliten in einem Übergangsorbit mit einem niedrigsten Bahnpunkt von 175 Kilometern, einem höchsten Bahnpunkt von 26.000 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 25 Grad.  

Die Centaur beendete die erste Brennphase über dem Zentral-Atlantik und ging dann in eine 95 Minuten dauernde Phase freier Drift über. Über dem südlichen indischen Ozean erwachte dann das von Pratt & Whitney Rocketdyne gebaute RL10 Triebwerk für eine 93sekündige zweite Brennphase, nach deren Abschluss der vorausberechnete Transferorbit erreicht war. Der niedrigste Bahnpunkt betrug nun 6.020 Kilometer, der höchste Bahnpunkt 38.340 Kilometer und die Bahnneigung zum Äquator betrug 22,48 Grad. 118 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe gab die Centaur den Satelliten frei.

Der Satellit wird sich jetzt in den nächsten Tagen selbst in seine endgültige geosynchrone Position auf 45 Grad westlicher Länge  bringen und dort Intelsat 1R ersetzen der vor genau neun Jahren an Bord einer Ariane 5 gestartet worden war. Und hier noch ein wenig Statistik zu diesem Start:

  • Es war der 601 Start einer Rakete mit der Bezeichnung "Atlas" seit 1957
  • Es war der 315. Atlas Start von Cape Canaveral
  • Es war der 19. Start einer Atlas 5 seit Einführung des Typs im Jahre 2002
  • Es war 17. Atlas 5 Start von Cape Canaveral
  • Es war der 11. Atlas 5 Start unter der Ägide der United Launch Alliance
  • Es war der 9. kommerzielle Start einer Atlas 5
  • Es war der 5. Start einer Atlas 5 in diesem Jahr
  • Es war der 2. Start einer Atlas 5 in der 431 Konfiguration
  • Es war der 31. Satellit der mit einer Atlas für Intelsat gestartet wurde
  • Und der 44. Satellit den Space Systems/Loral für Intelsat gebaut hat.

Astra