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Vollmond über Launchpad; Credit: NASA Zum vierten Mal in diesem Jahr hat sich ein Shuttle auf dem Weg zur Internationalen Raumstation gemacht. Am  frühen Samstagmorgen, fünf Minuten vor zwei Uhr früh mitteleuropäischer Zeit, verließ die Raumfähre Endeavour die Startrampe 39A. In Florida war es da noch sechs Stunden früher, nämlich der 14. November 19:55 Uhr.

Countdown und Start waren außergewöhnlich problemfrei verlaufen. Es gab keinerlei technische Schwierigkeiten im Vorfeld, das Wetter machte mit und es gab nur ein Mini-Problem, als bekannt wurde, dass die Checkout-Crew (die der Mannschaft in den Shuttle hilft und als letzte die Startanlage verlässt) vergessen hatte, die bewegliche Galley am so genannten Acess-Arm, dem Zugang zum Shuttle, zu sichern, so dass diese ein wenig hin und her schwang. Der Start selbst, einer der wenigen Nachtstarts seit der Columbia-Katastrophe, verlief danach komplett nach Plan.

 Crew auf dem Weg zur Rampe; Credit: SpaceCom
 Stefanyshyn-Piper im Whiteroom
 Ferguson Whiteroom; Credit: SpaceCom
 Launch; Credit: NASA
 Tankseparation; Credit: SpaceCom

Offensichtlich fielen diesmal auch nur sehr wenige Schaumstoff-Teile vom Außentank ab. Es wurden lediglich zwei dieser "Ereignisse" registiert, eines 33 Sekunden nach dem Abheben und eines nach knapp zwei Minuten Flug. Keines der überdies sehr kleinen Bruchstücke kam mit dem Orbiter in Verbindung.

Die amerikanischen Boulevard-Medien sprechen dieser Mission einen gewissen "Igitt-Faktor" zu. Moderatere Kommentare bezeichneten es dagegen eher als "Plumbing and Home Improvement Mission". Tatsächlich widmet sich diese Mission zum großen Teil dem Innenausbau der Internationalen Raumstation. Genauer gesagt ihrer Vorbereitung auf einen Dauerbetrieb mit sechs Personen. Und dazu gehören eben auch verbesserte Sanitäreinrichtungenen.

Dabei geht es einmal um die Lieferung einer zweiten Toilette für die ISS, die bei einer sechsköpfigen Crew unabdingbar notwendig wird. Diese Toilette hat die Größe eines ISS Standard-Racks - etwa in den Ausmaßen einer Telefonzelle - und wird im amerikanischen Destiny-Modul installiert. Mit an Bord ist auch ein fortschrittliches Recyclingsystem, mit dem Urin, Waschwasser und sonstiges Brauchwasser wieder zu trinkbarem Wasser aufbereitet werden kann. Um dieses System sofort nach der Ankunft der Endeavour ausgiebig testen zu können, sammeln die Astronauten der ISS bereits seit einer ganze Weile ihr Urin in Behältern. Die Brauchwasser-Aufbereitungsanlage ist im Prinzip eine Destille. Die daraus resultierende Flüssigkeit ist de-ionisiertes Wasser, dem nur noch Mineralien zugefügt werden müssen um es genießbar zu machen.

Dazu kommt eine neue Bordküche, zwei Schlafkabinen sowie eine große Anzahl von Ersatzteilen und Versorgungsgüter für die Besatzung der ISS. Zusätzlich geplant sind insgesamt vier Außenbordmanöver.

Kommandant der Mission STS 126 ist der 47-jährige Kapitan zur See Christopher Ferguson, der zum ersten Mal ein Kommando bei einer Space Shuttle Mission hat. Diese Mission ist überhaupt erst sein zweiter Raumflug. Zuvor flog er auf der Mission STS 115 zwischen dem 9. und dem 21. September 2006, einer 12-tägigen Mission zur ISS.

Als Pilot fungiert der 44jährige Luftwaffen-Oberst Eric Boe, für den dieser Einsatz die erste Orbitmission ist.

Als Mission Spezialist No. 1 und als Payload Commander fungiert die 45jährige Heidemarie Stefanshyn-Piper, die mit STS 126 ihren zweiten Raumflug unternimmt. Sie war vor zwei Jahren zusammen mit Chris Ferguson beim Flug STS 115 unterwegs, eine Mission bei der sie zwei Außenbordmanöver unternahm. Bei diesem Einsatz nimmt sie außerdem die Funktion des Lead-EVA Officier wahr. Sie ist also die Verantwortliche für die Außenbordmanöver und sie wird bei drei der vier EVA's mit dabei sein. Sie ist speziell qualifiziert für Außenbordmanöver durch ihre extensive Taucherfahrung bei der US-Navy.

Der 44jährige Steven Bowen ist Mission Specialist No. 2. Für ihn ist der Flug der Endeavour die erste Mission in den Weltraum.

Der 53jährige Donald Petit ist zum zweiten Mal im Weltraum. Sein erster Einsatz datiert  sechs Jahre zurück. Damals war er Mitglied der ISS Expeditionscrew No. 6 unter dem Kommando von Kenneth Bowersox. Petit verbrachte damals 161 Tage an Bord der ISS. Er führte damals zwei Außenbordmanöver durch und war auch beim gefährlichen ballistischen Wiedereintritt der Sojus TMA1 mit an Bord. Gestartet war er damals übrigens auch mit der Endeavour.

Jüngstes Besatzungsmitglied an Bord ist der 41jährige Luftwaffen-Oberstleutnant Robert Kimbrough, der mit dieser Mission seinen ersten Raumflug antritt.

Und schließlich startet mit der Endeavour noch die 44jährige Sandy Magnus. Allerdings nicht als Besatzungsmitglied der STS 126-Mission sondern als neues Langzeit-Crewmitglied der ISS. Sie wird Greg Chamitoff als ISS-Crewmitglied ablösen und etwa fünf Monate an Bord der ISS verbringen. Wenn alles nach Plan läuft wird sie im März des nächsten Jahres mit der Crew von STS 119 wieder zur Erde kommen. Der 46jährigen Greg Chamitoff,  der seit Mai dieses Jahres an Bord der ISS Dienst tut wird mit der Endeavour wieder zur Erde zurückkehren.

Während der Mission, am 20. November, wird die ISS ihren 10. Geburtstag erleben. 10 Astronauten werden dann an Bord der Raumstation das Jubiläum begehen können. Wenn die Mission wie geplant verläuft, dann wird die Endeavour am 30. November wieder in Cap Canaveral landen.

Der Start am Freitag war die vierte Shuttle-Mission dieses Jahres. Es ist der 124. Shuttle-Flug insgesamt, der 27. Flug zur Raumstation, der 22. Einsatz der Endeavour und der 31. Nachtstart eines Shuttle seit im August 1983 mit der Mission STS 8 der erste Nachtstart eines Shuttle stattfand.

Astra