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Ein kanadischer Erdbeobachtungssatellit der nächsten Generation startete am Freitagmorgen vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur aus erfolgreich in den Orbit. Das Raumfahrzeug wird die weltweit genauesten kommerziell erhältlichen Radarbilder liefern.

Radarsat-2-Trägerrakete (Sojus) am Launchpad; Credit: Roskosmos

Radarsat 2, der aufgrund einer endlosen Reihe technischer Probleme mehr als sechs Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan hinterherhinkt, wird Bilder produzieren, deren Auflösung dreimal so hoch ist wie die seines langsam in die Jahre kommenden Vorgängers.

Radarsat 1 wurde 1995 gestartet und war für eine Lebensdauer von fünf Jahren ausgelegt. Trotz seiner inzwischen 12 Einsatzjahre ist er noch voll funktionsfähig und liefert Radarbilder mit einem Auflösungsvermögen von zehn Metern zur Erde. Obwoohl Radarsat 1 ist nach wie vor in guter Verfassung ist, wird erst mit dem zweiten Radarsat der Service für die kommerziellen, zivilien und militärischen Nutzer für die kommenden Jahre sichergestellt.

Die kanadische Raumfahrtagentur steuerte 450 Millionen Kanadische Dollar zum Vorhaben bei. Das Projekt wird von McDonald Dettwiler and Associates Ltd., kurz MDA, gemanagt. MDA stellte auch die restlichen Mittel für die Entwicklung und den Betrieb des Raumfahrzeuges zur Verfügung.

Ursprünglich war der Start von Radarsat 2 bereits im Jahre 2001 geplant, aber Entwicklungsschwierigkeiten bei den Subsystemen und eine Änderung des Anbieters für den Start verzögerten die Mission immer weiter. Ursprünglich sollte Radarsat 2 mit einer amerikanischen Delta 2 in den Orbit gebracht werden, aber Probleme mit den amerikanischen Ausfuhrgesetzen und Interface-Probleme mit der Delta verhinderten das.

Im Januar letzten Jahres unterzeichneten die kanadischen Offiziellen ein Abkommen mit dem russisch-eurpäischen Unternehmen Starsem für die Durchführung des Starts. Die lange Wartezeit für Radarsat 2 endete schließlich am Freitag um 14:17 Uhr mitteleuropäischer Zeit, oder 18:17 Uhr zentralkasachischer Zeit. Das war der Zeitpunkt an dem die Sojus FG Fregat schließlich zündete und in den bereits nächtlichen Himmel über Baikonur stieg.

Radarsat 2-Integration; Credit: Roskosmos und TsENKIDie beiden Unterstufen der Sojus brachten die Kombination aus Fregat und Satellit neun Minuten nach dem Liftoff zunächst in eine suborbitale Bahn. Danach erfolgte sofort eine Zündung der Fregat, um einen niedrigen Übergangsorbit zu erreichen.

Dreißig Minuten später zündete die Fregat erneut, um den angestrebten polaren Orbit in einer Kreisbahn von 800 Kilometern mit einer leicht retrograden Bahnneigung von 98,6 Grad zu erreichen.

Die Trennung des 2.200 Kilogramm schweren Satelliten von der Oberstufe erfolgte schließlich 53 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe. Danach begann der komplexe Entfaltvorgang der Solargeneratoren und Antennen. Herzstück der Mission ist die mehr als 20 Meter lange und mit 512 Transmittern bestückte steuerbare Radarantenne.

Satellitengestützte Radarsysteme wie das von Radarsat 2 sind in der Lage, auch bei Dunkelheit und Bewölkung Bilder von Bodenstrukturen zu gewinnen, ein entscheidender Vorteil gegenüber optischen Sensoren, die nur bei Tageslicht und gutem Wetter eingesetzt werden können.

Die Test- und Indienststellungsphase wird nun etwa drei Monate dauern, bevor Radarsat 2 Anfang nächsten Jahres einsatzbereit sein wird.

Die Bilder von Radarsat 2 werden kommerziell verwertet und an private und staatliche Nutzer weltweit verkauft. Die US-Firma EMS Technologies war zuständig für die Radarantenne und das Elektroniksystem. Thales Alenia Space baute den Bus des Raumfahrzeugs in Europa.

Der tägliche Betrieb von Radarsat 2 wird von Telesat Canada durchgeführt, ein in Ottawa ansässiger Telekummunikationsdienstleister. Radarsat 2 der erste Erdbeobachtungssatellit sein, den die Firma betreibt. Bislang arbeitete die Firma nur mit Kommunikationssatelliten.

Radarsat 2-Integration; Credit: Roskosmos und TsENKI Radarsat 2 ist für eine Einsatzdauer von sieben Jahren ausgelegt. Der Satellit ist in der Lage, Details mit einer Größe von nur drei Metern auf der Erdoberfläche aufzulösen. 

Eine entscheidende Verbesserung gegenüber Radarsat 1 besteht darin, dass die Radarantenne nach links und rechts entlang der Flugbahn gesteuert werden kann. Dadurch kann ein 300 Kilometer breiter Geländestreifen erfasst werden. Dieses vergrößerte Aufnahmefeld hat auch schnellere Revisit-Zeiten zur Folge, ein wichtiges Kriterium bei der Überwachung sich dynamisch entwickelnder Ereignisse auf dem Boden, oder bei der Routenüberwachung im Schiffsverkehr.

Vier verschiedene Polarisierungs- Varianten der Radars ermöglichen außerdem eine bessere Unterscheidung verschiedener Objekte auf dem Boden. Radarsat 2 hat darüber hinaus eine wesentlich erhöhte Speicherkapazität, verkürzte Reaktionszeiten und kann sehr schnell auf neue Ziele umprogrammiert werden.

Radarsat 2 wird für unterschiedlichste Zwecke eingesetzt, von der Ernteüberwachung, über Umweltaufgaben, Geländevermessung und Kartografierung bis hin zum Desaster-Monitoring und der Überwachung des Schiffsverkehrs in den arktischen Gewässern Kanadas.

Die nächste Entwicklung im Radarsat Programm soll im Jahre 2012 mit dem Start von drei identischen Satelliten als Teil einer Radarsat Constellation Mission erfolgen. Dieses Nachfolgeprogramm hätte seinen Schwerpunkt in der Überwachung der kanadischen Schifffahrtsrouten für militärische Zwecke, in der Umweltbeobachtung und  im Katastrophenmanagment, wie beispielsweise bei Waldbränden.