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Für die amerikanische Raumfähre Atlantis blieb auch der zweite Startversuch ohne Erfolg. Wie schon fast zu erwarten war, zeigte sich auch bei der heutigen Betankung der ECO-Sensor, der bereits vor drei Tagen Probleme gemacht hat, labil. Zwar wies diesmal nur einer der Sensoren eine Fehlfunktion auf und nicht gleich drei wie am 6. Dezember, das genügte den Offiziellen um William Gerstenmaier aber trotzdem, um den Start erneut abzusagen.

Start Cosmo Skymed; Credit: Boeing / Tom Baur
Start Cosmo Skymed; Credit: Boeing / Tom Baur

Nachdem das Problem offensichtlich eine intensivere Behandlung braucht, sich das Startfenster aber auch in Kürze wieder schließt, entschloss sich die NASA einen neuen Startversuch erst wieder Anfang Januar zu unternehmen. Sollte ein "Rollback" erforderlich werden, also ein Zurückrollen des Shuttle in das VAB (Vehicle Assembly Building) und eine Demontage der Kombination, kann es auch noch länger dauern, bis der Columbus-Start erfolgt.

Auf der anderen Seite der USA, an der kalifornischen Luftwaffenbasis Vandenberg, gelang dagegen der ebenfalls zweimal verschobene Start des italienischen Erdbeobachtungssatelliten Cosmo Skymed 2 auf einer Delta 2 problemlos. Die Trägerrakete hob heute morgen um 3:31:43 Uhr mitteleuropäischer Zeit (18:31:43 Uhr am Vortag lokaler Ortszeit). Das Startfenster für diese Mission war nur eine einzige Sekunde lang.

Der knapp zwei Tonnen schwere Cosmo Skymed 2 wurde von Thales Alenia Space in Italien im Auftrag des italienischen Verteidigungsministeriums gebaut. Zentrales Instrument dieses Erdbeobachtungssatelliten ist ein fortschrittliches X Band Sytnthetic Aperture Radar. Er wurde auf den gleichen polaren Orbit gebracht wie Cosmo Skymed 1 im Juni dieses Jahres. Obwohl der Satellit vom Militär in Auftrag gegeben wurde steht er auch für kommerzielle Anwendungen zur Verfügung.

Die Trägerrakete Delta 2 flog in der Version 7420-10. In dieser Variante ist die zweistufige Rakete nur mit vier statt den üblichen neun Feststoffboostern ausgestattet und hat eine 10 Fuß (gut drei Meter) weite Nutzlastverkleidung.

Der heutige Start war der 330. Einsatz einer Delta-Rakete seit dem Jahre 1960,  die 133. Mission einer Delta 2 seit der Einführung dieser Variante im Jahre 1989 und der siebte Einsatz einer Delta 2 in diesem Jahr.

Eine Besonderheit der Delta 2-Starts von Vandenberg ist, dass die Booster nach ihrem Ausbrennen (65 Sekunden nach dem Liftoff) noch für weitere 25 Sekunden vom Träger mittransportiert werden. Erst wenn eine speziell dafür ausgewiesene Abwurfzone erreicht ist, werden die Zusatzraketen abgeworfen. Diese Maßnahme beschneidet das Leistungsvermögen der Delta 2 etwas.

Starts von Vandenberg aus in polare Bahnen gehen immer genau nach Süden. 11 Minuten und 52 Sekunden nach der Zündung der Motoren war ein erster Übergangsorbit erreicht. Danach ging die Kombination aus Zweitstufe und Satellit in eine Phase freier Drift über, bei der 35 Minuten nach dem Abheben die Antarktis überflogen wurde.

Die zweite Zündung der zweiten Stufe, diesmal nur für 12 Sekunden, um die Bahn auf der Höhe des Apogäums zu zirkularisieren, erfolgte 53 Minuten und 20 Sekunden nach dem Liftoff. Die danach erzielten Orbit-Parameter ergaben eine leicht elliptische Umlaufbahn mit einer maximalen Bahnhöhe von 546 Kilometern, eine minimale Bahnhöhe von 537 Kilometern und eine Inklination zum Äquator von knapp 98 Grad. Eine etwas retrograde Umlaufbahn somit.

57 Minuten und 30 Sekunden nach dem Liftoff wurde das Arretierband mit dem der Satellit auf dem Nutzlastadapter befestigt war mit kleinen Sprengladungen durchschnitten, 30 Sekunden später lösten sich auch die mechanischen Verriegelungen und Cosmo Skymed war frei. Damit war der 78. erfolgreiche Start einer Delta 2 beendet. Gleichzeitig war es der insgesamt 131.  erfolgreiche Start einer Delta 2.

Schon morgen ist erneut ein Start in den USA geplant, diesmal wieder in Cap Canaveral. Dort soll mit einer Atlas 5 eine klassifizierte Nutzlast des amerikanischen Verteidigungsministeriums in die Umlaufbahn gebracht werden. Wir berichten.