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Am 6. September waren in den USA in einem Zeitraum von nur gut 18 Stunden zwei Weltraumstarts geplant. Beide mussten abgesagt werden. Der Abbruch betraf den Erdbeobachtungssatelliten Cosmo Skymed 2 im kalifornischen Vandenberg und die Raumfähre Atlantis am Kennedy Space Center in Florida.


 Tank-Innenraum; Credit: NASA Während Cosmo Skymed 2 wegen starker Winde in der Stratosphäre die Rampe nicht verlassen konnte und der Start weniger als zwei Minuten vor dem Abheben abgesagt wurde, trat bei der Atlantis gut sechs Stunden vor dem geplanten Liftoff ein altbekanntes Problem der Shuttles auf.

Wieder einmal waren es die vier so genannten Engine Cutoff Sensoren (ECO) ganz unten im Boden des Wasserstofftanks, die Probleme machten. Aufgabe dieser Sensoren ist es, den Kontrollcomputer der Triebwerke zu benachrichtigen, wenn der Treibstoffstand eine bestimmte Marke im Tank unterschreitet. Die ECOs bedienen kein Primärsystem sondern sind Bestandteile einer Backup-Einheit, die bei Ausfall des Primärsystems aktiviert wird.

Spaceshuttle-Tank; Credit: NASA
Space Shuttle Main Engine Controller; Credit: Archiv Reichl

Die Sensoren haben nur zwei Modi: Sie melden "wet", also "feucht", wenn sie mit Wasserstoff überspült sind, und "dry", also "trocken", wenn der Wasserstoffpegel unter die Kontrollmarke fällt.

Wenn während des Fluges von diesen Sensoren das "dry"-Kommando kommt, und das Primärsystem aus welchem Grund auch immer nicht aktiv ist, schaltet der Triebwerkscontroller die Motoren ab, um eine Kavitation zu verhindern. Der Triebwerkscontroller (Main Engine Controller) ist eine autonome Elektronikbox, die direkt an den Triebwerken angebracht ist. Eine Kavitation, also ein Leerlaufen der Turbinen, weil kein Treibstoff mehr durchströmt hätte die Vernichtung der Turbopumpen und in der Folge wahrscheinlich des ganzen Triebwerks zur Folge.

Zwei der Engine Cutoff-Sensoren genügen, um einen sicheren Betrieb des Systems zu gewährleisten. Jedoch verlangen die Vorschriften, dass zum Zeitpunkt des Abhebens alle vier Sensoren funktionstüchtig sein müssen, andernfalls wird der Start abgesagt.

Beim Countdown gestern gaben jedoch zwei der Sensoren beim Befüllen der Wasserstofftanks kein "wet"-Signal über die Telemetrie an das Kontrollzentrum, obwohl der Tankfüllstand über den Kontrollmarken lag.

In früheren Fällen haben Probleme mit den Engine Cutoff Sensors schon zu wochenlangen Startverzögerungen geführt. Die siebenköpfige Besatzung war gerade aufgestanden und hatte sich für das Frühstück fertig gemacht, als die Nachricht von der Absage des Starts kam.

Der Fehler wird jetzt untersucht. Ein neuer Startversuch für die Atlantis und ihre Besatzung ist nicht vor Samstag möglich. So lange braucht die NASA, um eine Alternativstrategie zu entwickeln, für den Fall, dass die Sensoren beim erneuten Betanken wieder nicht funktionieren sollten. Kurzfristig austauschen kann man die Sensoren nicht. Sie sind im unzugänglich im Inneren des Tankbodens angebracht. Um an sie heranzukommen, müsste der Shuttle wieder in die Montaghalle zurückgerollt und der Tank demontiert und geöffnet werden. Eine Prozedur, die viele Wochen lang dauern würde.

Auch für Cosmo-Skymed 2 wird der nächste Startversuch am Samstag unternommen, sodass erneut zwei Starts im Abstand von nur wenigen Stunden voneinander angesetzt sind.