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Eine Trägerrakete des Typs Proton M Block DM-2 brachte am gestrigen Dienstag drei neue Navigationssatelliten der Glonass-Serie in den Orbit. Damit ist ein weiterer Schritt getan um die volle Wiederherstellung der noch aus sowjetischen Zeiten stammenden Konstellation zu erreichen.

Glonass-Satellit; Credit: 3-Roskosmos

Glonass-Satellit; Credit: Roskosmos

Proton-M-Startvorbereitungen; Credit: Roskosmos

Proton-M-Startvorbereitungen; Credit: Roskosmos

Proton-M-Startvorbereitungen; Credit: Roskosmos

Proton M; Credit: Nasa/Spaceflight.com

Der Start erfolgte um 20:32 Uhr mitteleuropäischer Zeit (0:32 Uhr Ortszeit am Mittwoch) von der schneebedeckten Startanlage in Baikonur in Zentral-Kasachstan. Dies war gleichzeitig der 20. Start von Baikonur in diesem Jahr, wodurch dieses russische Startgelände erneut zum meistbenutzten Weltraumbahnhof weltweit wurde.

Die drei Stufen der Proton absolvierten ihre Brennmanöver in den ersten neun Minuten der Mission und brachten die Block DM-2-Oberstufe mit den drei Satelliten auf eine niedrige Übergangsbahn. In den folgenden dreieinhalb Stunden feuerte die Oberstufe zweimal um die drei jeweils etwa 1.400 Kilogramm schweren Raumfahrzeuge auf den vorgesehenen Orbit zu transportieren.

Der Glonass-Flug war die letzte Mission des Jahres 2007, das erneut mit einer gestiegenen Anzahl an Starts gegenüber den Vorjahren aufwarten konnte.

Für die Proton selbst war es ein gemischtes Jahr. Bei insgesamt sieben Einsätzen gab es einen Missionsfehler, der auf einen Montagefehler zurückzuführen war.  Der Fehlstart ereignete sich im September, als wegen einer fehlerhaften Verkabelung die Sprengschnur zwischen erster und zweiter Stufe nicht aktiviert werden konnte, und daraufhin die Stufentrennung nicht erfolgte. Sechs Missionen, darunter die letzten vier, waren dagegen erfolgreich.

Mit diesem Flug hat die Proton in diesem Jahr insgesamt sechs Glonass-Navigationssatelliten in den Orbit gebracht. Die heute in die Umlaufbahn beförderten Raumfahrzeuge gehören der Generation "Glonass M" an, die eine erheblich verbesserte Lebensdauer gegenüber den bisherigen Glonass-Satelliten aufweist.

Glonass ist das Gegenstück zum amerikanischen Navstar-System, und stellt militärische und zivile Navigations- und Höhendatendaten zur Verfügung. Der allererste Glonass-Start erfolgte bereits am 12. Oktober 1982, offiziell nahm das System aber erst am 24. September 1993 seinen Dienst auf.

Nach der heutigen Mission umfasst die Glonass-Konstellation wieder 18 operationelle Satelliten, die über drei Orbitalebenen verteilt sind. Davon sind allerdings zwei nur noch bedingt funktionsfähig, da sie sich schon jenseits ihrer Design-Lebensdauer befinden. Drei weitere Satelliten zeigen ebenfalls schon Alterserscheinungen, weisen eine Reihe von Fehlfunktionen auf und sind nicht mehr permanent aktiv.

Die Glonass-Konstellation hatte in den letzten Jahren der Sowjetunion schon einmal ihre Sollstärke erreicht, verfiel aber während des wirtschaftlichen Niedergangs in der Folge des Zerfalls des Sowjetreiches. Mit dem Wiedererstarken Russlands und dem steilen wirtschaftlichen Aufschwung sind seit einigen Jahren aber wieder die Mittel verfügbar, um das System mit technologisch verbesserten Satelliten wieder vollständig zu restaurieren.

Die Konstellation mit 24 voll funktionsfähigen Satelliten soll bis 2009 fertig gestellt sein. Dafür werden auch im nächsten Jahr bei zwei Starts insgesamt sechs Satelliten in den Orbit gebracht.

Die Erneuerung des Glonass-Systems wird aber auch dann noch mit voller Kraft weiterlaufen. Zunächst werden alle Satelliten des alten Typs Glonass durch die neueren Glonass M ersetzt, und diese schließlich durch die völlig überarbeitete Version Glonass K, ein vollständig neues Modell auf der Basis des Kommunikationssatelliten-Bus Ekspress 1000.  Die ersten Glonass K werden 2009 in den Orbit gehen.

Der russische Präsident Putin stellte Glonass im Mai für zivile Anwender weltweit kostenlos zur Verfügung, und bringt es damit in direkten Wettbewerb zum amerikanischen GPS-System.