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Sechs Ariane 5-Missionen in einem einzigen Jahr, das gab es bislang noch nie. Beim letzten Einsatz des Jahres 2007 brachte eine Ariane 5 in der Version GS letzten Freitag bei einem perfekten Start zwei Kommunikationssatelliten für Afrika und Nordamerika in den Orbit.

Start Ariane 5 GS, Credit: Arianespace

Die Zündung des Vulcain 1 Haupttriebwerks, betrieben mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff, erfolgte um 22:42 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Sieben Sekunden später feuerten die beiden gewaltigen Booster-Einheiten und wuchteten die 50 Meter hohe und mehr als 700 Tonnen schwere Kombination in den bewölkten Himmel über Guyana.

Der Countdown war in seinen letzten Minuten zweimal für insgesamt 28 Minuten unterbrochen worden, weil sich Unbefugte in der Sicherheitszone um das Startgelände aufhielten.

Die Brennphasen der Booster und der ersten Stufe verliefen exakt nach Plan. Ebenso der Abwurf der Nutzlastverkleidung etwa vier Minuten nach dem Liftoff. Knapp 10 Minuten nach dem Abheben war die erste Stufe ausgebrannt und wurde abgeworfen. Gleich darauf zündete das Aestus-Triebwerk der zweiten Stufe. Dieser Motor feuerte für 17 Minuten. Danach richteten kleine Lagekontrollmotoren die Oberstufe aus, um die Trennsequenz für die beiden Satelliten durchzuführen.

Die erzielten Parameter des Bahneinschusses waren:
Perigäum: 585.2 km. Geplant waren: 584.8 km. Eine Abweichung von ±4 km ware zulässig.
Apogäum: 35.874 km. Geplant waren: 35,865 km. Eine Abweichung von ±240 km wäre zulässig.
Inklination: 5.49 Grad. Geplant waren 5.50 Grad. Eine Abweichung von ±0.06 Grad wäre zulässig.

Zunächst wurde der afrikanische Rascom-QAF 1 freigegeben. Danach wurde die Sylda-Adapterstruktur von der Oberstufe gelöst und vier Minuten später folgte die Abtrennung von Horizons 2.

Die Startverträge für beide Nutzlasten waren erst Anfang des Jahres unterzeichnet worden. Die Projektmanager für Horizons 2 wechselten kurzfristig von der Zenith 3 Land Launch zur Ariane 5 nachdem im Januar eine nahezu baugleiche Trägerrakete des Typs Zenith 3 Sea Launch auf der Startplattform Odyssey unmittelbar nach der Zündung des Erststufentriebwerks explodiert war.

Rascom-QAF 1 wurde von Thales Alenia Space auf Basis der Spacebus 4000B3-Plattform gebaut. Seine Solargeneratoren erzeugen 6,4 Kilowatt Strom. Der Satellit wird sich in den nächsten Wochen mit dem von Astrium Deutschland gebauten Bordantrieb auf seine endgültige Position in einem geostationären Orbit auf 2.85 Grad östlicher Länge bringen. Von dieser Position aus können seine Antennen Nutzer in ganz Afrika erreichen.

Nach der mehrere Wochen dauernden Indienststellungs- und Testphase wird der Satellit dann im Februar seinen Dienst aufnehmen.

Start Ariane 5 GS, Credit: ArianespaceDer annähernd 3.200 Kilogramm schwere Satellit wird von RascomStar-QAF betrieben werden, dem ersten Panafrikanischen Transponder-Anbieter. Das Unternehmen wird von einer Reihe afrikanischer und europäischer Investoren betrieben. Ziel der Gesellschaft ist es, Telefondienste, Internet und Fernsehen zu erschwinglichen Preisen in die städtischen und ländlichen Regionen Afrikas zu bringen.

Einer der größten Shareholder des Investoren-Verbandes ist die Regional African Organization for Satellite Communications, kurz RASCOM, die dem Satelliten auch den Namen gab. Die Organisation umfasst 46 Telekommunikations-Dienstleister in ganz Afrika. Mit beteiligt ist aber auch die französisch-italienische Thales Alenia Space, das Unternehmen, das den Satelliten gebaut hat.

RASCOM hat eine Design-Lebensdauer von mindestens 15 Jahren. Die Kommunikationsnutzlast umfasst 12 Ku-Band- und acht C-Band Transponder. Der andere Satellit, Horizons 2, soll hochauflösendes Fernsehen und Internet-Dienste in den USA, im Karibischen Raum und in Süd-Kanada verbreiten.

Das Raumfahrzeug wird von der Horizons 2 Satellite LLC betrieben, einem Joint-Venture von Intelsat und der JSAT Corporation, dem führenden japanischen Satellitenbetreiber. Das nur knapp 2,3 Tonnen schwere Raumfahrzeug wurde von der  Orbital Sciences Corporation auf der Basis der STAR-Plattform hergestellt. Die Solargeneratoren erzeugen 3,4 Kilowatt Strom.

Horizons 2 wird seine auf 15 Jahre veranschlagte Einsatzzeit Anfang nächsten Jahres beginnen. Zuvor wird sich der Satellit mit seinem Bordantrieb auf eine Parkposition bei 74 Grad westlicher Länge über den Äquator begeben. Das neue Raumfahrzeug ersetzt den inzwischen 17 Jahre alten SBS 6, der seine Design-Lebensdauer bereits um sieben Jahre übertroffen hat.

Horizons 2 ist mit 20 Ku-Band Transpondern ausgestattet. 40 Prozent der Nutzlastkapazität des Satelliten sind bereits verleast oder verkauft. Die restlichen Transponder sollen innerhalb eines Jahres vermarktet werden.

Der Start am Freitag war die sechste und letzte Mission für Arianespace in diesem Jahr. Es war der 36. Ariane 5-Start insgesamt und die 22. erfolgreiche Mission in ununterbrochener Reihenfolge. Das europäische Weltraumstartunternehmen managte in diesem Jahr insgesamt neun erfolgreiche Starts: 6 mit der Ariane 5 und drei Sojus-Flüge von Baikonur zusammen mit Starsem.

Arianespace wird das Jahr 2008 mit dem wichtigen Jungfernflug des europäischen Frachtraumschiffes ATV zur  Internationalen Raumstation beginnen. Dieser Flug könnte nach der derzeitigen Planung etwa Mitte Februar stattfinden. Der Zeitplan hängt auch ein wenig von der Startplanung für die Raumfähre Atlantis ab. Der Beginn dieser Mission ist momentan für den 10. Januar geplant.

Arianespace hofft im nächsten Jahr sieben Ariane 5-Raketen zu starten, und in den Jahren danach eine stabile Startrate von acht Ariane 5-Missionen pro Jahr zu etablieren.