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PopcornEins gleich am Anfang. Meine beiden Jungs, die mich ins Kino nach Bad Aibling abgeschleppt haben, um mit mir „Star Trek – Into the Darkness“  zu gucken, haben mich vergattert, die Story nicht wieder so madig zu machen wie beim letzten Mal. Überhaupt, so ließen sie mich wissen, wären sie sich nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee sei, mich mitzunehmen.

Also gut, nörgel ich halt nicht. Und gleich vorweg: Ich hab mich tatsächlich prächtig unterhalten. Mit einer Currywurst im Bauch, einem Maxlrainer Schlosstrunk im Getränkehalter, ausreichend Popkorn in der Tüte und dem an der Kasse abgegebenen Verstand war es das reine Vergnügen. Eine fundierte Kritik brauche ich über dieses Thema in den Kosmologs sowieso nicht leisten. Dazu gibt es bereits Susanne Uhuras ...äh..Hoffmanns...Beitrag mit dem Titel „Star Trek und Kunst als Sprache“.

Also erzähl ich die Handlung einfach mal für diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben und ich erzähl sie so, wie ich sie wahrgenommen habe. Und ich muss vorausschicken: in der zweiten Hälfte der Vorstellung verlor ich den Handlungsfaden hin und wieder, aber da hatte ich hatte da auch schon einen sehr langen Tag hinter mir und der Verstand war, wie gesagt, an der Kasse.

Also dann mal los.

Der Film ist ein furioses  9/11-Spektakel des 23. Jahrhunderts. Sie beginnt auf einem Planeten, auf dem eine intelligente, nichttechnische Spezies dem Untergang geweiht ist, weil dort eine Art Supervulkan ausbricht. Glücklicherweise segelt gerade Kirk mit seiner Truppe vorbei und mit gewagten Manövern, einem lebensgefährlichen Einsatz von Spock und unter Umgehung sämtlicher Vorschriften der Raumflotte gelingt es den Planeten samt Zivilisation zu retten.

Bei den Erbsenzählern im Flottenhauptquartier kommt Kirks Handeln leider ganz schlecht an, liegt doch ein klarer Verstoß gegen die oberste Direktive der Föderation vor. Und die erlaubt nun mal keine Einflussnahme auf die Entwicklung fremder Kulturen, selbst wenn sie dadurch vor der Vernichtung gerettet werden. Kirk wird seines Kommandos enthoben und soll zurück an die Raumakademie, denn man kann auch im 23. Jahrhundert sein Punktekonto für Verkehrsverstöße durch „Nachschulung“ abbauen.

Aber dazu kommt es nicht mehr, denn ein Terroranschlag erschüttert London, bei dem erst das Archiv der Sternenflotte in die Luft gejagt wird und hinterher gleich ein Attentat auf die Führung der Raumflotte folgt. Hinter der Sache, das wird gleich klar, steckt John „man nennt mich den Khan“ Harrison, ein Ex-Agent der Starfleet, der zum Schurken  umgeschult hat. Für mich, das nur nebenbei, ist er so ziemlich die sympatischste Figur im ganzen Film. Der einzige, der außer bumsen und ballern eine Vision hat.

John „Khan“ Harrison ist gentechnisch aufgemöbelt wie wir später erfahren, und damit wird auch schon klar, warum er so gefährlich ist. Denn gentechnische Veränderungen sind, wir bekommen es jeden Tag von vielen Seiten eingetrichtert, sehr, sehr böse.

Weiter geht’s damit, dass Admiral Pike, Kirks Mentor, bei dem Anschlag ums Leben kommt worauf Kirk umgehend wieder in sein Kommando eingesetzt wird, um „Khan“ Harrison, der sich aus unerfindlichen Gründen auf Kronos niedergelassen hat, per Photonen-Torpedo niederzumachen. Kronos ist, der Trekkie weiß natürlich Bescheid, der Heimatplanet der Klingonen, der schlechtest gelaunte Rasse des Universum. Das wäre ich allerdings auch, wenn mir Rotzlöffel wie Kirk den Garten mit Cruise-Missiles umpflügen wollen.

Dann wurde es ein wenig wirr, zumindest für mich, was aber kein Problem war, denn ich wusste ja meinen Verstand an der Kinokasse gut aufgehoben. Es ging aber in etwa so weiter, dass Kirk Scottie beleidigt, worauf der das Schiff verlässt um sich betrinken zu gehen. Pavel Chekov wird darauf Chefingenieur ist aber mit dem unerwartet zugewiesenen Job leicht überfordert. Außerdem kommt noch – durch Manipulation ihrer Einsatzpapiere – die allerliebst aussehende Waffenexpertin Carol an Bord, von der sich später herausstellt, dass sie die Tochter von Admiral Markus ist, der wiederum der Mann ist, der Kirk zu den Klingonen geschickt hat. Oder so.

In der Nähe von Kronos angekommen, vergisst Kirk wie üblich seine Vorschriften und landet auf dem Planeten, was die Klingonen schwer vergrätzt und sehr, sehr wütend macht. Kirk ist nach einigen Star Wars-ähnlichen Flugmanövern (da hat er sich wohl im Film vertan), einem gescheiterten Verhandlungsversuch der schönen Uhura und einem zügig der Niederlage zustrebenden Gefecht mal wieder schwer in der Bredouille, als ihn ausgerechnet John „The Khan“ Harrison raushaut. Worauf ihm Kirk ein paar runterhaut, was der sich aber zu meiner Verblüffung gefallen lässt und sich zu meinem noch größeren Erstaunen -  ich vergaß sogar das Popkorn-Kauen - Kirk und seiner Crew ergibt. Also ich an seiner Stelle hätte Kirk ein paar hinter die Löffel gegeben.

Das ist in etwa auch die Stelle, an der John Harrison bekannt gibt, dass er der „Khan“ sei und nicht nur kräftig gebaut sondern auch superintelligent und deswegen braucht es bei bloß acht Zahlen um jeden Punkt des Universums zu definieren. Solcherlei geballte Information übergibt er jetzt Käpt‘n Kirk der diese sogleich an Scotty weiterleitet, der noch immer in der Bar auf der Erde rumhängt und gerade mit trüben Augen in seinen zwölften Pangalaktischen Donnergurgler stiert.

Nun gewinnt die Sache an Fahrt, denn Carols Vater kreuzt mit dem waffenstarrendsten Schiff der ganzen Flotte auf und will Khan haben und zwar sofort und wenn Kirk ihn nicht auf der Stelle rausrückt, dann gibt’s aber sowas von Saures. Kirk gefällt das nicht und versucht zu fliehen, was aber nicht so recht klappt, weil Chekov die Maschinen der Enterprise noch nicht wieder flott bekommen hat (ich hab vergessen, zu erwähnen, dass die Warp-Anlage zuvor aus Gründen, die ich nicht geblickt hab, kaputt gegangen ist).

Gerade als ich wieder einen tiefen Schluck Maxlrainer genommen hatte, wurde die Enterprise vom Marcus-Schlachtschiff eingeholt. Während der Warp-Phase wohlgemerkt (sowas ging doch früher beim Original-Kirk nicht, wieso jetzt?) und feuert jetzt auf die Enterprise. Daraufhin gibt sich Carol als Besatzungsmitglied der Enterprise zu erkennen, worauf Marcus das Feuer einstellt und seine Tochter zu sich rüber beamte, schließlich hat man als Vater ja auch Pflichten.

Ach ja, nicht dass ich vergesse: Scottie hat es mit den acht Zahlen, die ihm Kirk von Khan zukommen ließ irgendwie auf das Marcus-Schiff geschafft und besichtigt jetzt dort die Maschinenräume. Gottseidank scheint es dort kaum Besatzung zu geben, die ihm auf die Finger klopfen könnte, von einem etwas unterbelichteten Wachposten mal abgesehen.

Kirk, und Harrison, der Khan, fliegen nun im Raumanzug mit Raketenrucksack im Slalom durch ein Trümmerfeld von der Enterprise zu Marcus‘ Kampfschiff rüber und werden dort von Scottie reingelassen. Danach nietet Kirk den Khan mit dem Schocker nieder, was dem wenig ausmacht, zügig wieder zu sich kommt, Kirk, Scottie und Carol überwältigt und Admiral Marcus umbringt, was sich der auch ehrlich verdient hat, der Säckel.

Nun erklärt der Khan, dass er seine „Crew“ wiederhaben will, die sich eingefroren in 72 Photonentorpedos an Bord der Enterprise befindet. Und zwar will sie mit dem Transporter rübergebeamt bekommen, aber dalli. Was es mit dieser Crew auf sich hat, ist mir im Getümmel irgendwie entgangen, jedenfalls redet er immerzu von „seiner Familie“. Wahrscheinlich selbstgeklont.

Natürlich denkt der schlaue Spock überhaupt nicht daran, das zu tun und schickt statt dessen eben – naja – Photonentorpedos. Auf diese doch ziemlich naheliegende Idee kommt Khan bedauerlicherweise nicht und beamt Kirk, Carol und Scottie wieder zurück auf ihr Schiff. Dann fängt er an auf die Enterprise zu ballern, aber in diesem Moment zünden an Bord des Marcus/Khan-Schiffes die Photonenbomben, wodurch das Ding zum Wrack wird, was dem Khan aber nichts ausmacht.

Beide Schiffe stürzen jetzt in Richtung Erde, und ich weiß nicht mehr genau, wie sie jetzt ausgerechnet dahin kommen, wo sie doch erst Minuten zuvor noch in der Gegend von Chronos herumgehangen waren. Doch darüber kann ich nicht nachdenken, denn jetzt kommt es drauf an: Wer repariert seine Kiste schneller, Kirk oder Kahn. Kirk fällt ein, dass man den Warpantrieb auch per Hand (oder, wie sich später rausstellt, per Fußtritt) wieder in Ordnung bringen kann. Dazu muss man aber in eine Kammer mit harter Strahlung und damit darin niemand Unfug anrichtet, hat man  sicherheitshalber die Strahlenschutzanzüge entfernt, weshalb Kirk ungeschützt in den Röstraum muss.

Nach der Fußtritt-Reparatur des Warpantriebes ist Kirk so schwer verstrahlt, dass er stirbt, was, wie der geübte Star Trek-Kenner längst weiß, nichts weiter zu bedeuten hat, als dass er fünf Minuten später wieder bumsfidel sein wird. In der Zwischenzeit stürzt die Enterprise fast ab und Khans Kahn ganz. Der Absturz zerdengelt zwar Khans Schiff, aber der Khan selbst ist ja dank der bösen Genmanipulation unzerstörbar und flüchtet zu Fuß weiter. Spock verfolgt ihn. Kampfgetümmel. Showdown. Khan muss noch schnell zur Blutspende um Kirk zu retten und wird wieder in seinen Photonenbombenkapsel eingefroren, damit er für die nächsten Folgen von Star Trek in gutem Zustand bleibt. Film aus. Abspann.

Ich wanke geschafft aus dem Saal und zur Kasse, um meinen Verstand wieder abzuholen. Obwohl ich mich ja jeder Nörgelei enthalten wollte sind mir dank des wiedererlangten Denkvermögens auf dem Weg durch die verregnete Mainacht zum Auto doch noch ein paar Punkte sauer aufgestoßen. Vielleicht lag es auch an der Currywurst. Aber jetzt versteh ich Susanne „Uhuras“ Beobachtungen erst so richtig.

Denn wie kann es sein, dass ein völlig grüner, komplett hormongesteuerter Bengel wie Kirk Junior gleich ein Schiff kommandieren darf, dessen Bau einen größeren Teil des jährlichen Staatshaushalt des vierten galaktischen Spiralarms verschlungen haben dürfte und dessen Unterhalt selbst die Volkswirtschaft einer Großmacht in den Ruin treiben würde?

Wie kann es sein, dass Kirkieboy das Kommando über das Schiff bekommt und mit geschätzt 22 Jahren unter Auslassung aller drunter liegenden Dienstgrade gleich zum Captain befördert wird, während sein ehemaliger Ausbilder „Commander“ bleibt und der Rest der Enterprise-Truppe, die ja mit ihm am selben Arbeitstag ihren Job bei der Raumflotte angetreten haben, allesamt nur „Lieutenant“ sind und auf seine unausgegorenen Befehle hören müssen?

Der „running gag“ wird es jetzt wohl, dass Spock in jedem Film zu seinem zukünftigen Ich Kontakt aufnimmt, um schon etwa bei der Halbzeit nachzufragen, wie die Show denn enden wird.

Und dann: Wo bitte sind die tragenden Rollen von Frauen? Hey, wir sind hier im 23. Jahrhundert und nicht im Jahre 1923. Und selbst da war es wohl schon mal besser um die Mädels gestellt. Ich meine hier die wirklich starken Frauen. Es gibt ein paar Szenen am Anfang des Films, wo die Starfleet-Cracks beieinander sitzen und die supertopwichtigen Entscheidungen treffen und was sehen wir da? Ausschließlich weiße, männliche Nordamerikaner. Natürlich sind eine paar vereinzelte Frauen in den Film hineingewürzt, wahrscheinlich von „Vanity Fair“ gecastet. Man hat sie aber allesamt in untergeordneten Hierarchieelementen verortet und keine ist über 30. Es hätte mich kein bisschen gewundert, wenn die alle Molly, Pussy und Tussy geheißen hätten. Und mehr als drei waren es sowieso nicht.

Als einzige weibliche Darstellerin hatte Uhura eine einzelne halbwegs anspruchsvolle Szene. In den anderen durfte sie wieder Weibchen spielen, dem einzigen Zweck geschuldet, Spock menschlich zu machen. Die andere, diese Carol, hätte genauso gut aus einem James Bond Film der frühen sechziger Jahre entsprungen sein oder einem James Cagney-Schinken aus den Vierzigern. Sie besetzte die klassische Männerfilm-Frauenrolle. Eine Mischung aus Opfer und Prinzessin, die gerettet werden muss und ausreichend sexy ist, damit sie auch vom oberkanteunterlippen-testosterongeladenen Kirk in ihrer Existenz wahrgenommen wird. Netter Haarschnitt, nette Titten, netter Hintern. Die Revolution, dass mal so eine Rolle mit einer, sagen wir mal, übergewichtigen, durchschnittlich aussehenden, schlechtgebauten Fünfzigjährigen besetzt wird werde ich nicht mehr erleben.

Auf den Postern, auf denen ich nach dem Film vorbeigehe, sind fast nur Männer. Weiße Neuenglandstaaten-Amerikaner. Lauter Anfangsdreißiger in Körpern wie aus Marmor gemeisselt. Abenteurer mit Testosteron statt Blut in den Adern die sich ständig selbst in grandiosen Abenteuern beweisen, ihrer Männlichkeit zur Schau stellen und ihre putzig gekleideten, grademalzwanziger-Tussie-Freundinnen retten und beschützen müssen. Wär wirklich mal Zeit für ein neues Klischee, das die Mainstream-Medien bedienen könnten.

Aber lassen wir das. Fazit wie schon beim letzten Star Trek-Movie: Verstand an der Kasse abgeben, reingehen, Spaß haben. Kritisch hinterfragen könnt ihr ja wieder ein anderes Mal.