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Bitte überlassen Sie Ihren Sitzplatz...Die Macht ist wieder mit uns. Das Kakaohäferl kommt zwar immer noch nicht auf mich zu, wenn ich die Hand danach ausstrecke, trotzdem spürt man: Es hat sich etwas geändert im Star-Wars-Universum, und zwar duchaus zum Guten.

 Man hat die Sprache wieder entdeckt. Vorbei die Zeit, wo man leere Worthülsen einstreute, damit halt irgendwas gesagt wird und das Machwerk nicht wie ein vertonter Stummfilm wirkt. Auch wenn die Vertonung noch so gut ist - auf John Williams und das London Symphonie Orchestra ist eben Verlass, egal wie schlecht der Film ist. Aber Drehbuchschreiber, die sich Dialoge und sogar eine Handlung ausdenken, sind durch nichts zu ersetzen.

Auch das Gepiepse hört nicht auf. Und der Trend zur Elektronik-Miniaturisierung macht auch vor Star Wars nicht halt. Die Roboter werden immer kleiner. Und putziger. Sie sind regelrecht zum Zerkugeln. Und sumsen wild vor sich hin, mal allein, mal zu zweien. Man versteht kein Wort. Zum Glück ist immer einer oder eine in der Nähe, der oder die das Gesagte sofort für den ignoranten Zuseher übersetzt. Dass man sich vor den herzigen Dingern trotzdem in Acht nehmen sollte, wissen wir aus früheren Filmen.

Eine Neuentdeckung ist die Reise durch Wurmlöcher. Unabhängig davon, dass die Wissenschaft immer noch nicht sicher ist, ob es sie gibt und ob man sie durchdringen kann, reist es sich im Star-Wars-Universum jetzt mit Wurmlöchern sehr viel kommoder als früher ohne. Lichtgeschwindigkeit braucht man nur noch für den Abflug oder zur Landung.

Zum Beispiel auf gewaltigen Todessternen. Ja, der wurde rezykliert. Wie auch die Müllpresse. Nur ist alles jetzt ein bisschen gigantischer. Triebwerke, in denen eine ganze Saturn V aufrecht Platz finden würde. Mit dem in die Jahre gekommen Milliennium Falken kann man problemlos rein- und wieder rausfliegen. Überhaupt beginnt der Film mit einem Raumschiff so gewaltigen Ausmaßes, dass man minutenlang auf das Schild am Heck mit der Aufschrift "We brake for nobody" wartet. Es kommt aber nicht.

Die "Luke-ich-bin-dein-Vater"-Geschichte bekommt eine neue Wendung, welche die ohnehin schon schwierigen Familienverhältnisse enorm verkompliziert. Es geht um den Enkel von Darth Vader, aber Luke ist nicht sein Vater. Eigentlich wäre er ja einer von den Guten, aber in der Pubertät rebellieren Kinder manchmal und machen etwas, das die Eltern garantiert aus den Socken kippt. Das ist dem Spross gelungen. Falsche Freunde tun ihr Übriges. Der falsche Freund ist in diesem Fall eine Mischung aus E.T. und dem dunklen Lord Voldemort. Hoffentlich ist er nicht ganz so unsterblich wie letzterer.

Der Film bringt die Band wieder zusammen. Neu entdeckt wird die Macht der Frauen. Seien wir ehrlich, es ist doch ein offenes Geheimnis, dass sie am Ende alles, was die Männer in der Hitze des Gefechts kurz und klein schlagen, wieder reparieren und die Welt wieder zusammenflicken müssen. So auch bei Star Wars. Die neue Heldin lässt alte und neue Helden gemeinsam alt aussehen, egal ob es ums Kämpfen, ums Rennen oder um das Reparieren von "altem Schrott" (den Millennium Falken) geht. Wunderbar.

Einen imposanten Auftritt legt Rolando Villazón* hin. Tatsächlich versucht man sogar, ihn zum Singen zu bringen, allein, er will nicht. Stattdessen inszeniert er waghalsite Stuntflüge an der Spitze der Rebellen.

Der Einzylindertraktor von Steyr Daimler Puch (Modell 15er-Steyr) kann so schlecht nicht gewesen sein, da er extra für diesen Film weiterentwickelt wurde. Noch immer wird Diesel als Treibstoff verwendet, der beim Starten in dicken Rußwolken aus dem Auspuff quillt, ehe das Ding davontuckert. Der einzige Unterschied ist, dass das Teil jetzt fliegt.

Das Märchen hat eine Fortsetzung gefunden. Und es wird - so sieht es am Ende aus und soviel sei verraten - wohl nicht der letzte Film der Serie gewesen sein. Muss man sich das ansehen? Mein Rat: kämpft nicht dagegen an, die Macht ist sowieso stärker. Macht euch einen schönen Kinoabend!

*Nur zur Sicherheit: Das ist natürlich Blödsinn.

Nox