Header

Der Chef des bemannten Raumfahrtprogramms höchst selbst war gekommen. Er stand etwas erhöht. Vor ihm die gespannt wartenden Journalisten. Kurz und knapp erklärte er, dass es für die Raumfahrer keine Rettung mehr gäbe. Dann, etwas nachdenklicher, meinte er, man habe sich wirklich die größte Mühe gegeben. Und weiter: Aber die Erforschung des Weltalls rechtfertige den Einsatz von Menschenleben. Menschen sterben bei diesen Versuchen. Genauso wie in Autos, Flugzeugen, Bars und Betten...

Diese Szene hätte aus dem aktuellen Mars-Drama "Der Marsianer" stammen können. Sie ist aber 46 Jahre früher über die Kinoleinwände geflimmert und stammte aus dem amerikanischen Weltraumfilm "Marooned" (Verschollen im Weltraum) von 1969. Der große Schauspieler Gregory Peck verkörperte damals jenen NASA-Chef, der dann trotz auswegloser Situation weiter um das Leben der verunglückten Astronauten kämpft. Und zum Schluss der Geschichte werden (leider nicht) alle gerettet. Aber der Film zeigte damals eins: Die Weltraumfahrt ist eben sehr gefährlich. Aber es gibt Menschen, die alles erdenkliche tun, um in Not geratenen Raumfahrern zu helfen. Und das über Landesgrenzen hinweg. Wer hätte damals gedacht, dass dieser Film nur ein Jahr später von der Realität eingeholt würde. Bei der dritten geplanten Mondlandung explodierte ein Sauerstofftank im Raumschiff Apollo-13. Die Havarie schweißte alle am Raumfahrtprogramm Beteiligten zusammen und es gelang mit vereinten Kräften die glückliche Rettung der drei Astronauten.

Genau das ist der packende, abenteuerliche Stoff, aus dem auch die neue Kinogeschichte „Der Marsianer“ ist.

Es geht um eine abgebrochene Mars-Expedition in einer nicht fernen Zukunft. Ein einzelner Astronaut wird aus Versehen auf dem Mars zurück gelassen. Tja, so kann's gehen! Halt dumm gelaufen! Aber Mark Watney, so heißt der gute Mann, kämpft sich durch und hält sich mit viel Einfallsreichtum am Leben. Man könnte meinen, MacGyver hätte den Mars betreten. Einige kennen bestimmt noch den Tausendsassa aus der gleichnamigen US-Fernsehserie aus den 1980er Jahren.

Das Grundthema ist also nicht ganz neu. Verunglückte müssen ums Überleben kämpfen und gleichzeitig arbeiten andere Menschen an der Rettung. Davon geht eine enorme Faszination aus. Und gerade dann, wenn der Ausgang ungewiss ist. Beispiele dazu gibt es viele. Und das nicht nur in der Literatur oder im Film. Wer erinnert sich an die dramatische Rettungsaktion beim Bergwerksunglück mit dem anschließenden Wunder von Lengede. die Rettung von verschütteten Bergleuten vor einigen Jahren in Chile oder die Suche nach Überlebenden bei Erdbeben, Tsunamis oder anderen Katastrophen. Immer fiebern die Menschen mit. Es ist ihnen nicht gleichgültig, was ihresgleichen zugestoßen ist.

Mark Watney ist hierbei ein ganz ähnlicher Fall. Er ist fast unerreichbar auf einem fernen Planeten, und er kann sich vorerst nicht bemerkbar machen. Aber er hat eine besondere Art von Lebenswillen. In ihm schwingt eine Leichtigkeit, in der die zynische und lebensbejahenden Selbstbeschreibung seiner Situation manchmal den Zuschauer den Ernst seiner Lage vergessen lässt. Der hier gefundene "Next-Door-Typ" alias Matt Damon ist eine famose Besetzung für die Rolle des Marsianers Watney. Aber auch die Personen, die ihn retten wollen, sind etwas Besonderes. Es sind nicht die knallharten Manager, die ohne jegliche Gefühlsregung alles im Griff haben. Es sind Akteure, die auch Gefühlsregungen zeigen. Es sind Typen dabei, die schon freakhaft wirken und sich nicht um die Etikette scheren. Alle eint das Ziel: Die Rettung Watneys. Das macht den Film so sehenswert. Meisterregisseur Ridley Scott verzaubert uns nicht nur mit exotischen Mars-Wüsten-Landschaften. Er zeigt viele verschiedene Charaktere, mit denen der Zuschauer sich identifizieren kann.

Und bemerkenswert ist auch, das Scott völlig ohne esoterische Einflechtungen, Aliens oder andere unglaubwürdige Überraschungen auskommt.

"Der Marsianer" ist also ein toller Streifen. Im Ursprungsland USA hat er bereits die Kinos erobert. Vielleicht werden einige sagen, es ist der beste Raumfahrt-Film aller Zeiten. Das hörte man in den letzten Jahren schon öfter. Erinnern wir uns an den technoperfekten, apokalyptischen Raumfahrtkatastrophenfilm "Gravity". Oder an den philosophischen, langatmigen und bildgewaltigen Streifen "Interstellar".

Mit dem Film "Der Marsianer" wird man sich an einen optimistischen Streifen mit einer einfach guten Geschichte erinnern. Und das ist, meine ich, mehr Wert als nur Spezialeffekte und tolle Widscreen-Bilder.

Der Gang ins Kino ist auf alle Fälle lohnenswert.
>>Mehr Info hier

Andreas Weise