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Yuri's Night 2012; Credit: Birgit HajekWenn Veranstalter behaupten, ein Abend wäre gut gelaufen, erwartet man das zwar, es hat aber auch einen kleinen Beigeschmack von Prahlerei. Bezogen auf die vierte Yuri's Night in Wien, die am 12. April 2012 im Naturhistorischen Museum stattfand, stimmt es aber. Die Organisation verlief unkompliziert und ohne Pannen, die Veranstaltung war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, und die Gäste, die Vortragenden und die Gastgeber waren zufrieden. Man könnte fast sagen, der Himmel ist uns auf den Kopf gefallen.

Naturhistorisches Museum Wien (NHM); Credit: Birgit Hajek
Generaldirektor Christian Köberl; Credit: Birgit Hajek
Monika Fischer, Maria Pflug-Hofmayr; Credit: Birgit Hajek
Spacefan; Credit: Birgit Hajek
Pause mit Erfrischunt; Credit: Birgit Hajek
monochrom's ISS; Credit: Birgit Hajek
Gerhard Kowalski; Credit: Birgit Hajek
Eugen Reichl; Credit: Birgit Hajek
Tim Flohrer, ESA; Credit: Birgit Hajek
Verleihung des Polarstern Preises des ÖWF; Credit: Birgit Hajek

Schon Tage vor der Veranstaltung zeichnete sich ab, dass viele Raumfahrtinteressierte den Weg ins Museum finden würden. Wir blickten dem Abend also mit einer gewissen Spannung entgegen. Und tatsächlich drängten Gäste in den Saal, als wäre es die letzte Yuri's Night vor dem Weltuntergang, den manche Leute für 2012 herbeibeschwören.

Einer unter den Gästen, Florian Freistetter, wiegelt mit seinen aktuellen Büchern ab, die er an diesem Abend präsentierte: In "2012 - Keine Panik" versichert er, dass die Welt dieses Jahr voraussichtlich nicht untergeht, und in "Krawumm - Ein Plädoyer für den Weltuntergang" meint er, Weltuntergänge sind gar nicht so schlecht und in letzter Konsequenz sogar für unsere Existenz verantwortlich.

Es lebe der Weltuntergang

Weltuntergänge und kleine bis große Katastrophen waren neben der Würdigung der Leistung Juri Gagarins das übergeordnete Thema von Yuri's Night 2012, die von Monika Fischer und Eugen Reichl moderiert wurde.

Zur Einstimmung kommentierte Maria Pflug-Hofmayr einige ausgewählte Bilder aus der umfangreichen Sammlung von Astronomy Picture of the Day (APOD), wo täglich ein Bild mit Beschreibung präsentiert wird. Die Erde sieht von der Umlaufbahn aus inzwischen völlig anders aus als bei Juri Gagarins Erstflug, aber nicht weniger faszinierend. Inzwischen erlauben uns Raumfahrzeuge jedoch nicht mehr nur den Blick von außen auf die Erde, sondern auch faszinierende Details von weit entfernten Planeten und ihren Monden, die wir so nicht einmal mit dem besten Fernrohr der Welt erspähen könnten.

Dinosaurier - ausgestorben, oder doch nicht?

Es folgte ein Ausflug in die ferne Vergangenheit, in die Zeit und den Raum der Dinosaurier. Christian Köberl, der Generaldirektor des Naturhistorischen Museums und Gastbeber des Abends, führte die Gäste in den neu gestalteten Dinosauriersaal, aus dem uns ein sehr lebendig wirkender Allosaurier entgegenbrüllte.

Was haben Dinosaurier mit dem Weltraum zu tun?, hat sich wohl mancher gefragt. Nichts - und doch sehr viel. Die Dinosaurier waren ausgezeichnet auf ihre Umgebung angepasst. Ihr gewaltiger Körperbau wäre kein Grund für ihr Aussterben gewesen, wie man längere Zeit glaubte, insgesamt herrschten sie auf der Erde über einen viel längeren Zeitraum vor, als wir Menschen es bisher geschafft haben, und wären vermutlich bis heute weit verbreitet, wenn nicht etwas aus dem Himmel auf die Erde gefallen wäre.

Das (fast völlige) Ausssterben der Dinosaurier stellte die Forscher vor ein Rätsel. (Ganz ausgestorben sind sie nämlich nicht, die jetzt lebenden Vögel sind allesamt Nachkommen dieser teils gewaltigen Tiere.)

Weil es keinen offensichtlichen Grund gab, nahm man lange Zeit an, sie wären zu groß und zu träge geworden. Dann wurde bei Grabungen eine Schicht entdeckt, die so dünn ist, dass man sie fast übersehen hätte. Diese dünne Schicht ist jedoch über die ganze Erde verbreitet und Zeugnis einer gewaltigen kosmischen Katastrophe. Tatsächlich entstand sie höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit einem gewaltigen Astreroideneinschlag, der den Chicxulub-Krater bei der mexikanischen Halbinsel Yucatán erzeugte, berichtete Christian Köberl, der maßgeblich an der Erforschung dieses Einschlags beteiligt war und ist.

Juri Gagarin und was man selten über ihn hört

Nach diesem Ausflug in die Vergangenheit rückte der Raumfahrtjournalist Gerhard Kowalski aus Berlin den ersten Raumfahrer der Menschheit, Juri Gagarin, ins Blickfeld. Er sammelt seit vielen Jahren Informationen rund um seine Person und hat bereits mehrere Bücher über ihn publiziert. In seinem Vortrag berichtete er weniger über allgemein Bekanntes, sondern über unbeachtete Details, und zeigte Bilder von Mitgliedern der Familie Gagarin. Im Gepäck hatte er etliche Exemplare seines neuesten Buches "Heute 6:07 UT", die in der Pause großen Zuspruch fanden.

Doch nicht nur aus den fernen, unbekannten Weiten des Weltraums droht der Erde Gefahr - auch die Menschen selbst bringen Teile ins Weltall, die in der Folge die Raumfahrt und teilweise sogar Menschen gefährden (in erster Linie Astronauten der Internationalen Raumstation).

Zuvor stellte Johannes Grenzfurthner von der Künstlergruppe monochrom das Projekt "monochrom's ISS" vor - eine Sitcom, deren Schauplatz die Internationale Raumstation ist. Zwei der vier Schauspieler waren ebenfalls anwesend. monochrom's ISS stellte auf satirische Weise den All-Tag auf der Raumstation dar, wobei zahlreiche Pannen, die in den Bühnenaufführungen thematisiert wurden, tatsächlich in ähnlicher Form vorgekommen sind. Einzige künstlerische Freiheit: das Missionskontrollzentrum wurde kurzerhand von Houston nach Darmstadt verlegt.

Der Himmel fällt uns auf den Kopf - aber in kleineren Teilen

Nur wenige Jahrzehnte, nachdem die Menschheit den Schritt ins All gewagt hat, hat sie es geschafft, den erdnahen Weltraum fast unbenützbar zu machen, berichtete Tim Flohrer von der Europäischen Weltraumagentur ESA.

Nur ein Drittel der Körper, die die Erde umkreisen, sind Satelliten, Raketenteile und Ähnliches - die restlichen zwei Drittel sind Schrott, der entweder von Starts und ausgedienten Satelliten stammt - oder schlimmstenfalls bei der Kollision von Satelliten entsteht.

Die meisten herumfliegenden Trümmer sind so klein, dass sie mit Teleskopen und Detektoren nicht beobachtet werden können. Doch nach Tausch der Solarpaneele des Weltraumteleskops Hubble konnten NASA und ESA detailreiche Abschätzungen machen, wieviele Teile um die Erde kreisen, und wie gefährlich sie sind. Ein Teilchen ist nicht etwa harmlos, nur weil es klein ist, sein Einschlag kann Schäden verursachen wie eine Gewehrkugel - oder schlimmer, weil die Aufprallgeschwindigkeit so hoch ist.

Wird dieses Problem nicht energisch in Angriff genommen, kommt es in absehbarer Zeit zum Kessler-Syndrom - das bedeutet, dass durch die ständige Kollision von Teilchen immer mehr Teilchen entstehen. Tim Flohrers Fazit: Wenn nicht so rasch wie möglich alle Raumfahrt betreibenden Nationen zusammenarbeiten, wird der erdnahe Orbit (in dem sich die meisten Satelliten sowie die Internationale Raumstation befinden) unbenützbar.

Den krönenden Abschluss bildete wie auch schon die letzten drei Jahre die Verleihung des Polarstern Preises, der dieses Jahr an Dietmar Hager verliehen wurde.

Das Österreichische Weltraum Forum verleiht seit 2009 jedes Jahr den Polarstern Preis an Menschen, die für den Weltraum begeistern. Der diesjährige Preisträger Dietmar Hager, ein Chirurg aus Linz, beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Astronomie und hat sich auf dem Gebiet der Astrofotografie einen Namen gemacht.

Als er 2008 an der Dark-Sky-Konferenz in Wien teilnahm, lernte er den israelischen Arzt Itai Kloog kennen, der Studien über die gesundheitlichen Folgen von Lichtverschmutzung betreibt und dabei herausfand, dass Nachtlicht zu erheblichen Störungen führen und möglicherweise sogar Krebs auslösen kann. Seither setzt Dietmar Hager sich sehr intensiv dafür ein, die nächtliche Beleuchtung von Städten und Dörfern zu reduzieren. Dieses Engagement, das inzwischen sogar zu einer nicht unbeträchtlichen öffentlichen Wahrnehmung des Phänomens geführt hat, machte ihn zum Polarstern-Preisträger dieses Jahres.

Unser Resümee: Yuri's Night 2012 ist toll gelaufen - dank dem Team vom Naturhistorischen Museum, dank zahlreicher Sponsoren und Helfer, die uns unterstützt haben, dank der ausgezeichneten Vortragenden, aber auch dank der vielen Interessenten, die trotz des schlechten Wetters den Saal bis auf den letzten Platz gefüllt haben!

Und: wir freuen uns auf eine rauschende Yuri's Night am Freitag, 12. April 2013 im Wiener Planetarium!

Eugen Reichl, Monika Fischer und Maria Pflug-Hofmayr