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Parabelflug-Initiator Paul Bierl (hinten), Pilot Josef Reithofer Nach einer Pause gibt es demnächst wieder die Möglichkeit, als Tourist in Europa an einem Parabelflug teilzunehmen. Der Pilot und Weltraumenthusiast Paul Bierl machts möglich. Wenn Sie neugierig sind auf Weltraumfeeling, dann behalten Sie diese Seite im Auge: www.bierl.at

Zum Thema Parabelflüge empfehlen wir auch die Zero-G-Seite von Tanja Lehmann.

Damit Sie sich besser vorstellen können, wie ein Parabelflug abläuft, veröffentlichen wir einen Bericht aus dem Jahr 2002 über die erste österreichische Parabelmission, an welcher Nox teilgenommen hat.

 
 
 Im Hintergrund: Tanja Lehmann als Instruktorin
 
 

Seit 28. September 2002 habe auch ich sie, die »Astronautentaufe«! An diesem Tag nahm ich an der ersten österreichischen Parabelmission in Trencin in der Slowakei teil, zu der mich der Veranstalter Paul Bierl überredet hat. Paul, selbst Pilot, interessiert sichfür alles, was mit Raketen und Raumfahrt zu tun hat, und hat sich zum Ziel gesetzt, jedem Interessierten die Erfahrung der Schwerelosigkeit zugänglich zu machen.

Für verhältnismäßig wenig Geld und ohne viel bürokratischen Aufwand kann man bei ihm einen Parabelflug buchen. Bereits am Vortag reisten wir gemeinsam an. Der Abflugort Trencin ist von Wien aus leicht über Bratislava erreichbar. Von dort führt die Autobahn direkt nach Trencin, einer sehenswerten Stadt, die an sich schon einen Besuch wert ist. Gerne hätten wir noch die Altstadt gesehen, beschlossen dann aber doch, uns auszuschlafen und für den nächsten Tag zu rüsten. Unsere Unterkunft war direkt auf dem Flughafengelände: einfache, aber neu eingerichtete schöne Zimmer.

Am nächsten Morgen machte sich ein flaues Gefühl breit: der Himmel war wolkenverhangen, und unser Flugzeug war wegen des unsicheren Wetters noch in Wien. Der Wind war lebhaft und böig. Dennoch gingen wir guten Mutes zum Frühstück und warteten im wahrsten Sinn des Wortes auf besseres Wetter. Gegen Mittag trafen auch die anderen Mitfliegenden ein, und die Satellitenbilder waren immerhin verheißungsvoll genug, dass unsere Maschine überstellt wurde. Mit großer Spannung entdeckten wir Risse in der Wolkendecke.

Als die Maschine landete, wurde sie von uns natürlich von außen und innen neugierig begutachtet: mit diesem Flugzeug würden wir ja in Kürze in die Schwerelosigkeit starten! Die Crew bereitete den Innenraum nach unseren Wünschen vor: die Bodenplatten über dem Teppich wurden herausgenommen, an den Seiten wurden Halteseile eingefädelt, Lichtzeichen für die einzelnen Manöver vereinbart. Die ganz Mutigen unter uns bestellten ein Mittagessen. Dann, um 15 Uhr, gab uns ein Vertreter der Fluglinie das ersehnte Zeichen: in 30 Minuten startet die  erste Gruppe!

Alle versammelten sich um das Flugzeug, Mitfliegende und Zuseher, natürlich mit Kameras bewaffnet. Dann kam der große Moment - wir kletterten in die Maschine. Ruth, Pauls Freundin, nahm uns die Schuhe ab, damit wir uns während des Fluges nicht gegenseitig verletzen könnten. Uhren, Schmuck und Brillen hatten wir bereits im Gepäck verstaut. Fotografieren ist während des Fluges nicht erlaubt, als Journalistin durfte ich jedoch meine Kamera mitnehmen. Ich habe sie während des Fluges angebunden, damit sie nicht quer durchs Flugzeug sausen und in irgend einem Loch verschwinden würde. Damit auch von mir Bilder gemacht werden konnten, steckte Paul meine Digitalkamera in die Hosentasche. Für alle anderen wurde eine Videokamera an ein Gitter montiert, die während des Fluges aufzeichnete. Paul verteilte zur Sicherheit Papiertüten - wenn man merkt, dass es »losgeht«, ist es schon zu spät, um quer durch die Kabine zu robben und eine zu holen!

Die Motoren heulten auf, wir saßen an den Wänden und freuten uns wie die Schneekönige auf das kommende Erlebnis. Als wir die Flughöhe erreicht hatten, leuchtete das gelbe Licht auf, gleichzeitig wurden wir fest auf den Bodengepresst - der 45-Grad-Steigflug hatte begonnen. Während dieser Phase beträgt die Schwerebeschleunigung zwei G, man ist also doppelt so schwer wie am Boden! Nach drei Minuten das grüne Licht - ein riesiger »Hügel«, und plötzlich hoben wir vom Boden ab.

Ich wollte erst mal sehen, wie sich das Ganze überhaupt anfühlt, deshalb hatte ich mich mit den Beinen in die Seile verankert und fotografierte. Es war unglaublich - vor meinen Augen sah ich das, was ich von Hunderten Bildern kenne, nur dass ich es diesmal selbst erlebte! Alle schwebten wild zwischen Deckeund Boden umher, ein bisschen wie im Wasser, aber viel freier.

Leider machten sich auch die Turbulenzen bemerkbar, manchmal sausten wir in das eine oder andere Eck. Das war wohl auch der Grund, weshalb einem Passagier nach einiger Zeit ziemlich übel wurde. Er setzte sich auf einen Sitz und wurde festgeschnallt, sodass er nicht mehr befürchten musste, versehentlich quer durchden Passagierraum zu fliegen. Alle anderen haben den Flug ziemlich genossen, die Betreuerin und Kunstturnerin Tanja Lehmann probierte alle möglichen Verrenkungen und Saltos, und Niki flogwie ein Vogel durch die Gegend. »Papa Paul« achtete darauf, dass jeder sich wohl fühlte, und auch der Copilot und Besitzer der Fluglinie kontrollierte regelmäßig, ob bei uns alles in Ordnung war. Auch die Piloten genossen das Spektakel.

Viel zu schnell war das ganze Erlebnis vorbei. Nach einer ziemlich sanften Landung kletterten wir aus dem Flugzeug, um eine wesentliche Erfahrung reicher!

Nox    

Dieser Beitrag erschien in den Zeitschriften Star Observer und SkyRevue
Internet: www.bierl.at, zerog2002.de