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 Vor 40 Jahren, im Dezember 1968, kreiste zum ersten Mal ein bemanntes Raumfahrzeug um  den Mond. Angesichts des großen medialen Aufhebens, das von der ersten bemannten Mondlandung am 20. Juli 1969 gemacht wurde, wird die großartige Leistung der Apollo 8 und seiner Crew heute meist vergessen. Aber der Mut      von Frank Borman, William Anders und James Lovell war vielleicht noch größer als der von Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins. Die Beinahe-Katastrophe von Apollo 13 bald nach diesen historischen Missionen zeigte, wie ungemein riskant diese ersten Flüge von Menschen zu unserem Erdtrabanten waren.

Apollo 8 war der erste bemannte Flug einer Saturn-V-Rakete und der dritte Einsatz dieses Riesenträgers überhaupt. Bei der vorausgegangenen unbemannten Mission war es zu so massiven Osziallationseffekten gekommen, dass der Bordcomputer zwei der fünf Zweitstufentriebwerke stillgelegt hatte und das Raumfahrzeug nicht das vorgesehene Missionsprofil absolvieren konnte. Auch das Apollo-Raumfahrzeug selbst wurde erst zum zweiten Mal bemannt geflogen. Unter diesen Bedingungen gleich einen bemannten Flug in einen Mondorbit zu wagen ist nach heutigen Massstäben tollkühn. NASA Administrator Mike Griffin meinte denn auch kürzlich, dass eine Mission wie die von Apollo 8 heute niemals mehr genehmigt werden würde.

Auch Commander Frank Borman äußerte vor dem Flug Bedenken gegen den Plan, in diesem frühen Erprobungsstadium des Apollo-Systems gleich in eine Mondumlaufbahn einzuschwenken. Doch der Wettlauf mit den Sowjets ließ den Verantwortlichen damals keine andere Wahl. Der Konkurrent im Osten bereitete in diesen Tagen eine zirkumlunare Zond-Mission vor, von der niemand wusste, ob sie nicht bemannt durchgeführt werden würde. Ein Erdorbitflug der Apollo hätte keinen Prestigegewinn gebracht, und auch ein Mondflug auf einer freien Rückkehrbahn ohne Einschwenken in den Orbit wäre nicht besser gewesen, als als dieser erwartete sowjetische Einsatz mit der zirkumlunaren Kapsel.

Die Proton mit der Zond 6 startete tatsächlich am 18. November 1968. Unbemannt. Und dies zurecht, wie sich fünf Tage später zeigte. Die Zond hatte wie geplant den Mond auf einer freien Rückkehrbahn umflogen, doch beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre versagte der Fallschirm und die Kapsel stürzte ab.

Doch der Konkurrenzdruck ließ nicht nach. Während sich Apollo 8 auf den Weg zum Mond machte, wurde auch schon Zond 7 für den Start vorbereitet. Doch die Amerkaner kamen ihr zuvor. Am 21. Dezember 1968 starteten Frank Borman, James Lovell und William Anders zu einer Reise, die sie weiter von ihrer Heimat entfernen sollte als jemals Menschen zuvor.

Nachdem Start und Einschuss in die Fluchtbahn in Richtung Mond gelungen waren, während des Fluges zum Mond keine technischen Probleme auftraten, ging man das Wagnis ein: Am 24. Dezember 1968, damals ein Dienstag, verschwand Apollo 8 um 4:49 Uhr Floridazeit hinter dem Mondhorizont. Die Astronauten waren nun über der Rückseite des Mondes von jeglicher Kommunikation mit der Erde abgeschnitten. Nun hieß es Warten für die Menschen auf der Erde. Wäre das Bremsmanöver, eine Triebwerkszündung von gut 4 Minuten Dauer hinter dem Mond und 111 Kilometer über dessen Oberfläche, nicht gelungen, dann hätte der Kontakt mit der Erde bereits um 5:09 Uhr wieder aufgenommen werden können. War das Manöver gelungen, dann wäre der Kontakt erst gut 10 Minuten später wieder zustande gekommen. Hätte das Triebwerk zu lange gebrannt - und stecken gebliebene Treibstoffventile waren beileibe keine Seltenheit in den Anfangstagen der Raumfahrt - dann wäre Apollo 8 auf der Mondrückseite zerschellt. Doch um 5:20 Uhr meldete Jim Lovell den erfolgreichen Einschuss in die Mondumlaufbahn.

Die Bilder von der scheinbar über dem Mond aufgehenden Erde waren eine Sensation. Nie zuvor war den Erdenbürgern so klar geworden, wie zerbrechlich der blaue Planet ist. Es wurde allen Menschen klar, dass dies unser aller gemeinsames Raumschiff ist, ausgestattet mit einem hochempfindlichen Lebenserhaltungssystem. Wenn man je einen Auslöser für den Beginn der Umweltschutzbewegung definieren sollte, dann wird es der Moment sein, als die Crew von Apollo 8 die Bilder der kleine blaue Murmel, eingebettet in die samtenene Schwärze des Alls, zur Erde übermittelten.

Es kam auch zu dem legendären Weihnachtsgruß aus dem All, bei dem die Astronauten aus der Schöpfungsgeschichte lasen. Nach zehn Mondumkreisungen machte sich die Crew der Apollo 8 am Morgen des 25. Dezember wieder auf den Heimweg zur Erde.

In den Raumfahrbüchern, die sich in meinen Regalen finden, steht nicht viel über die Mission von Apollo 8. Die Begeisterung über diesen historischen Flug war seinerzeit ein kurzes Strohfeuer, das von dem gewaltigen Medienecho für Apollo 11 rasch bei weitem übertroffen wurde. Die danach in kurzer Folge stattfindenden Mondlandungen ermüdeten die Menschen schnell, und bald erschien es ihnen kaum aufregender als eine Reise mit einem Schiff von England nach New York. Erst viele Jahre später dämmerte es vielen Menschen, dass diese gewaltige Leistung Menschen so schnell nicht wieder erbringen konnten.

Zeugen der damaligen Ereignisse bemerken dazu einmal bitter: "Ende der 1960er Jahre sind wir zum Mond geflogen. Das Tor zu den Fernen des Alls stand uns weit offen.  Was wir seither machen sind ein paar Hochschulexperimente in einer niedrigen Erdumlaufbahn."

Mit diesem Bild aufgenommen von der Crew von Apollo 8 im Dezember 1968, wünschen wir Ihnen, liebe Leser, ein friedliches Weihnachtsfest und alles Gute für 2009, das Jahr der Astronomie!

Nox