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Mondlander; Credit: NASA In letzten Teil unserer Analyse des "Augustine-Reports" befassen wir uns heute mit den den Szenarien, die im Rahmen der heutigen Budgets nicht durchführbar wären, die aber in einem Kostenrahmen sind, den US-Präsident Obama noch genehmigen könnte. Abschließend wollen wir auch noch eine Schlussfolgerung versuchen. Wie gut wir mit unserer Interpretation gelegen haben, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Beginnen wir mit den "teuren" Optionen...

Option 4 - Aus dem Shuttle abgeleitete Architektur Die Space Shuttles werden hier zwischen 2011 und 2015 mit einer Rate von zwei Flügen jährlich wie eingangs geschildert geflogen und schließlich durch ein System ersetzt, das weitgehend auf Shuttle-Hardware basiert, speziell auf Tanks und Feststoffraketen. Der prominenteste Plan in dieser Optionsreihe ist der so genannte Side-Mount Shuttle, bei dem ein Frachtbehälter (in der unbemannten Version) oder eine bemannte Orion mit Oberstufe an der Seite des Vehikels montiert werden.  Die Raumstation würde bis 2020 betrieben werden. Die Einbindung kommerzieller Anbieter ist vorgesehen.

Option 5 - Deep Space: Dies ist eine etwas teurere Variante der Option 3 mit Rückzug der Shuttles aus dem aktiven Dienst im Jahre 2011 und Ausdehnung des Betriebs der Raumstation bis 2020. Es empfiehlt eine Entwicklung des Orion-Raumfahrzeugs als Backup für ein mögliches kommerzielles Vehikel wie es von Space X und Orbital Sciences zur Verfügung gestellt wird, resp. für russische oder andere bemannte Raumfahrzeuge. Der Fokus liegt aber auf der sofortigen Entwicklung eines Schwerlasttransporters, dem Aufgeben der Ares 1 und dann die Etablierung einer moderaten Mondarchitektur, zu erdnahen Asteroiden und auf planetare Flybys.

Option 6 - Lunar Global Rückzug der Shuttles aus dem aktiven Dienst im Jahre 2011 und Ausdehnung des Betriebs der Raumstation bis 2020  Dieser Plan setzt auf einen kommerziell entwickelten Schwerlasttransporter anstelle der Ares 5 und die Weiterentwicklung der Orion-Kapsel die ebenfalls auf einer kommerziellen Rakete (Atlas 5 oder Delta 4) starten würde. Ares 1 wird aufgegeben. Anstelle des bisherigen Mondplanes der NASA mit kurzeitigen Landungen und nur zeitweilig besetzten lunaren Habitaten würde dieses Szenario ausgeweitet. Landung auf dem Mond um 2030, erste Flüge zu erdnahen Asteroiden und den Lagrange-Punkten aber schon ab 2025. Mars-Vorbeiflüge ab 2028.

 Option 7 - Mars Direkt Der Vorschlag von Robert Zubrin. Ohne Zwischenstation auf dem Mond direkt zum Mars. Wie bei den meisten anderen Versionen wird auch hier der Rückzug der Shuttles aus dem aktiven Dienst im Jahre 2011 und Ausdehnung des Betriebs der Raumstation bis 2020 vorgeschlagen. Mondflüge und Missionen zu Asteroiden würden nur durchgeführt, um Mars-Hardware zu testen.  

Die Interpretation Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Variante 3 nicht zur Anwendung kommen wird. Variante eins mit der kleinen Verlängerung ist möglich. Auch Variante 7 dürfte, selbst wenn Obama viel Geld in die Hand nehmen will, wohl durchfallen, sie ist einfach zu radikal. Sehr viel spricht aber für die Variante 2.

 

Orion und Altair auf dem Weg zum Mond; Credit: NASA Norman Augustine und sein Panel werden sie in Verbindung mit einigen anderen Elementen nach Abschluss der Untersuchungen offiziell empfehlen. Wahrscheinlich zusammen mit einer Verlängerung der (US-)Nutzung der Internationalen Raumstation bis 2020, zusätzlichen Fördermitteln für ein privates bemanntes Raumtransportsystem wahrscheinlich auf Basis der SpaceX Dragon und einer Beschleunigung des Orion/Ares1-Programmes.

 

Diese - noch vermuteten - Empfehlungen haben aber bei gleichbleibenden Haushaltsmitteln für die bemannte Raumfahrt eine entscheidende Konsequenz: Ares 5 wird nicht gebaut. Zumindest nicht sofort oder auch nur mittelfristig. Im Gespräch ist zwar bereits eine abgespeckte Version mit der Bezeichnung Ares 4. Aber auch für die wird zunächst kein Geld vorhanden sein, und damit rücken Mond und Mars erst einmal in weite Ferne, obgleich diese Ziele offiziell wahrscheinlich nicht aufgegeben werden. Aber die Rückkehr auf die Oberfläche des Mondes bis zum Jahre 2019, so wie es sich die NASA bislang erhofft hat, das kann man schon mal knicken. Und die Wahrscheinlichkeit, dass - wenn irgendwann nach 2025 der nächste Amerikaner auf dem Mond landet - er ein chinesisches Visum braucht, ist nicht von der Hand zu weisen.

 

Nachdem die NASA ihre ursprünglichen Pläne nicht bezahlen kann, ist die Schlussfolgerung nicht abwegig, dass den Amerikanern ihre Verbündeten aus dem ISS-Programm wieder einfallen werden. Und wie durch ein Wunder könnte dann die ganze Rechnung aufgehen und eine interessante internationale Mond-Mars-Initiative daraus entstehen.

 

Listig wie sie sind, werden die Amerikaner die Kernelemente nicht aus der Hand geben: Die großen Trägerrakete, das Orion-Mondschiff, wahrscheinlich auch die Mondlande-Elemente. Doch der Rest wird sich verteilen. Russland könnte das Reservesystem zur Transportarchitektur entwickeln, Japan baut die Habitate für Mond und Mars und die Raumanzüge für die Außenbordaktivitäten. Europa wird mit ATV die Raumstation weiter versorgen und - man verfügt ja über eine Weltklasse-Fahrzeugindustrie - die Exkursionsfahrzeuge für Mond und Mars bauen.

 

Und auch für China, Indien und andere mag es Rollen im großen Plan geben. Dem großen Moderator Obama könnte es gelingen, so ein weltumspannendes Unternehmen mit vielen internationalen Partnern auf die Beine zu stellen. Die kommenden Monate werden zeigen, wohin der Weg uns führt. Eines aber ist klar: Es steht uns ein Paradigmenwechsel in der bemannten Raumfahrt bevor.

Astra