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Ares 1 X Im heutigen zweiten Teil unserer Analyse der künftigen US-Politik in der bemannten Raumfahrt untersuchen wir schwerpunktmäßig den Abschied des Shuttle aus dem Raumfahrtprogramm.

Nach gegenwärtiger Planung stehen noch sieben Missionen bis zum Programmende an: STS 128 mit der Raumfähre Discovery, derzeit für den 25. August 2009 geplant, STS 129 mit der Atlantis am 12. November 2009, STS 130 mit der Endeavour im Februar 2010, STS 131 mit der Discovery am 18. März 2010,  STS 132 mit der Atlantis am 14. Mai 2010,  STS 133 mit der Endeavour am 29. Juli 2010 und die Mission STS 134, durchzuführen durch die Discovery am 16. September 2010.

Danach wird es zappenduster...

...denn dann vergehen besagte fünf Jahre bis zum ersten operationellen Flug im Orion Programm, aber nur, wenn die bislang zugesagten Mittel in voller Höhe fließen, was sie nicht tun. Und es hängt auch noch mit anderen Faktoren zusammen. Endet beispielsweise das Shuttle-Programm nicht wie geplant im Juli 2010 (und das wird es nur dann tun, wenn es zu einem weiteren Unfall kommt) dann bedeutet das in der Praxis Monat für Monat 400 Millionen Dollar an Kosten, die Shuttle-Programm verschlingt. Dieses Geld geht direkt dem Exploration Programm ab. 

Griffins Methode, "The Gap" möglichst klein zu halten war wie folgt: Möglichst sofortiges Ende des Shuttle-Programms und alle dann freiwerdenden Geldmittel in das Orion/ 1 und Ares 5-Programm. Unter Griffin wurden bereits eine Reihe von Maßnahmen getroffen, welche das Ende des Shuttle-Programms vorbereiten. Beispielsweise ist die Montagelinie für die Triebwerke und die Außentanks bereits geschlossen. Auch der Shuttle-Triebwerksteststand in Alabama wird schon für andere Zwecke verwendet und die meisten Verträge mit Lieferanten für Ersatzeile sind bereits ausgelaufen ohne verlängert worden zu sein.

Das alles muss man wissen um die erste Einflussnahme, die der Augustine-Report auf die amerikanische Raumfahrt haben wird, richtig einschätzen zu können. Am 28. Juli trat nämlich die eingangs erwähnte Sally Ride als Vorsitzende eines Subpanels in Houston bei einem öffentlichen Hearing mit einigen sehr interessanten Ansichten an die Öffentlichkeit. Im Wesentlichen sind es erste Vorschläge an die US-Regierung für die Reduzierung von "The Gap".

Zunächst nahm Ride ihren Zuhörern alle Illusionen und machte klar, dass "The Gap" keineswegs nur fünf Jahren dauern wird. Unter Zugrundelegung des bisherige Finanzierungsniveau und unter der unrealistisch-optimistischen Annahme, dass es während der Entwicklung zu keinen größeren technischen Pannen kommen wird - nicht vor 2017 einsatzbereit sein. (Eine andere Untersuchungsgruppe, die von der US-Luftwaffe finanzierte Aerospace Corporation, kam sogar zu dem Ergebnis, dass Orion und Ares 1 nicht vor 2019 einsatzbereit sein dürften).

Danach unterbreitete sie drei Vorschläge, die wie der Wind die Runde machten, und inzwischen im Zusammenhang mit "The Gap" als die "Sally Ride Options" bekannt sind.

Die siebtletzte CrewShuttle-Option 1: Zeitliche Verlängerung des gegenwärtigen Shuttle-Flugplanes mit den sieben verbleibenden Flügen bis zum Spätsommer 2011. Dabei darf die Raumfähre Discovery nach dem September 2010 keine Einsatzflüge mehr unternehmen (Notfallmissionen schon), denn zu diesem Zeitpunkt läuft ihre so genannte OMDP-deadline ab. OMDP, das ist die "Orbiter Maintenance Down Period", eine Grundüberholungsphase von etwa neun Monaten bis einem Jahr Dauer, der sich in der Vergangenheit jeder Shuttle in bestimmten Intervallen unterziehen musste. Die Discovery müsste diese Grundüberholung spätestens 2010 antreten. Nachdem dies länger ist, als das gesamte (bislang geplante) restliche Shuttle-Programm dauert und überdies mehrere dutzend Millionen Dollar kostet, können Shuttle-Missionen nach dem September 2010 unter diesem Szenario nur noch von der Atlantis und der Endeavour geflogen werden. Die Mission STS 134 muss somit von der Atlantis durchgeführt werden.

 

Discovery dient in diesem Szenario ab September 2010 als Ersatzteillager. In diesem Szenario endet das Shuttle-Programm im September 2011.

Option 2: Die moderate Programmverlängerung. Hier werden zwei weitere Flüge in das Programm mit aufgenommen und das Programm läuft noch in das Jahr 2012 hinein. Auch in dieser Variante wird die Discovery im September 2010 aus dem Programm genommen und dient nach der Mission STS 131 als Ersatzteillager. Die OMDP-Grenze der Atlantis läuft im Januar 2012 ab, das heißt, sie wird nach dem Abschluss der Mission STS 134 im September 2011 ebenfalls eingemottet. Die beiden zusätzlichen Flüge im Februar und August 2012 werden von der Endeavour durchgeführt. Diese Variante hat den Charme, dass keine zusätzlichen Komponenten produziert werden müssen, denn es gibt noch drei Reservetanks die noch keiner Mission zugeordnet sind. Sie wurden bislang als so genannte "Buffer-Tanks" vorgehalten. Zwei dieser Tanks werden für die beiden Zusatzflüge verwendet, der dritte für einen möglichen "LON-Flug" (Launch on Need) bei dem im Notfall, wenn die Astronauten der Endeavour an Bord der ISS stranden sollten, die Atlantis oder die Discovery zu einer Rettungsmission starten müssten. In diesem äußersten Notfall würde man sich nicht an die OMDP-Regel halten.

Option 3: Die erhebliche Programmverlängerung. In dieser Variante kommt der Discovery die Führungsrolle zu und der Tankherstellung in Michoud. Sollte diese Version gewählt werden, dann geht die Discovery nach der Mission STS 131 in die Grundüberholung. Dadurch wird ihre OMDP-Deadline außer Kraft gesetzt und sie kehrt zur Durchführung der Mission STS 134 im September 2011 wieder in den Dienst zurück. Sobald die Discovery wieder in Dienst ist, werden die Atlantis und die Endeavour eingemottet. Danach fliegt die Discovery jährlich zwei Missionen bis zum September 2014.

Sehen wir uns nach diesen Details für die unmittelbare Zukunft des Shuttle-Programms, das "Schließen der Lücke" von links, wie es Sally Ride ausdrückte die sieben Hauptvarianten an, die das Augustine Committee vorstellen wird. Und um es schon vorwegzunehmen: Der gegenwärtig immer noch gültige Plan der NASA, nämlich die Shuttles aus dem Dienst zu nehmen, die Raumstation zu beenden und bis zum Jahr 2020 den Mond zu erreichen ist mit den derzeit zugeordneten Budgetmitteln auch nicht im Entferntesten möglich.

Wenn es - neben der Diskussion der "Lücke" ein zentrales Thema gab, dann dieses: Die finanziellen Mittel um das geplante Space Exploration Programm durchzuführen sind nicht da. Um wieder Sally Ride zu zitieren, “Auf Grundlage der gegenwärtigen vorgesehenen Haushaltsmittel für die bemannte Raumfahrt waren wir nicht in der Lage, ein Szenario zu finden, das den Gesichtspunkt der "Exploration" mit abdecken kann. Und der Leiter des Kommittees, Norman Augustine drückte es so aus: Es wird mit dem derzeitigen Budget schwierig werden, irgendetwas zu tun, das auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt besonders inspirierend ist."

Teil 3 folgt am Montag

Astra