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Ergänzung Status 6.7. 21:00 MEZ: Mission Control ist zuversichtlich, den Fehler in der Betriebssoftware der Raumsonde identifiziert zu haben. Er bewirkte, dass New Horizons vor etwa 50 Stunden die Erfassung und Übermittlung wissenschaftlicher Daten einstellte. Nach Auskunft der Missionskontrolle handelte sich dabei um einen "Bug" in der Kommandosoftware für den bevorstehenden Vorbeiflug, der erst aufgedeckt wurde, als die Sonde am Sonntagnachmittag diesen Befehl abrief.

 Bei einer Pressekonferenz heute um 21:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit drückten die Projektmanager ihre Zuversicht aus, dass New Horizons in Kürze wieder den ursprünglichen Beobachtungs- und Sendemodus aufnehmen kann. Die Korrekturkommandos wurden bereits an die Raumsonde übermittelt. Aufgrund der langen Signallaufzeiten wird es jedoch noch einige Stunden dauern, bis eine Bestätigung über Erfolg oder Misserfolg der Maßnahme von der Raumsonde kommt.

Sollte alles glatt laufen, dann wäre nur begrenzter Schaden entstanden. Es wäre dann lediglich die Erfassung der Anflug-Bildsequenz an Pluto und Charon unterbrochen worden, sowie die für diesen Zeitraum geplante Aufzeichnung von Fernerkundungsdaten von Nix und Hydra entfallen.

Vorfall am 4. Juli:  Es sind nur noch acht Tage bis zur Begegnung mit Pluto, dem Ziel der neuneinhalb Jahre langen Reise von New Horizons, und die NASA steht vor dem Super-GAU der Mission. Ausgerechnet am Kulminationspunkt des fünf Milliarden Kilometer langen Anflugs, der intensivsten Forschungsphase der Mission, meldete sich das Raumfahrzeug gestern zunächst für 81 Minuten ab. Danach teilte New Horizons der Bodenstation in Maryland mit, dass alle Beobachtungsinstrumente abgeschaltet und das Raumfahrzeug in den Sicherheitsmodus gegangen sei.

Die Kommunikation mit dem Raumfahrzeug ging am 4. Juli um 19:54 Uhr mitteleuropäischer Zeit verloren. Eine Stunde und 21 Minuten später meldete sich New Horizons wieder. Das autonome Flugführungssystem an Bord der Sonde hatte ein Problem festgestellt, die Raumsonde in den Sicherheitsmodus gebracht und vom Haupt- auf den Reservecomputer gewechselt.

Im Missionszentrum der NASA am Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory in Laurel, Maryland wurde noch in der selben Stunde ein “Anomaly Review Board (ARB)” einberufen. Selten zuvor galt der Spruch „Time is of the essence“ mehr als in diesem Fall, denn allein die reine Signal-Laufzeit von der Sonde zur Erde und wieder zurück beträgt fast neun Stunden. Und da ist noch keine Minute an Analysen und Fehlerkorrekturen drin. Jeden Tag nähert sich New Horizons ihrem Ziel um 1,2 Millionen Kilometer. Mit jeder Stunde die in dieser kritischen Missionsphase verrinnt, gehen schon jetzt völlig unersetzbare Daten verloren. Denn eines ist sicher: In den nächsten Jahrzehnten wird keine weitere Raumsonde zum Rand des Sonnensystems entsandt werden.

Das Raumfahrzeug verfügt zwar über einen Modus, der bewirkt, dass die Sonde praktisch alle Schutzschaltungen während der größten Annäherungsphase deaktiviert. Ob diese Funktion aber möglicherweise ebenfalls gestört ist, ist derzeit nicht bekannt. Die Erfolg der Mission steht somit auf des Messers Schneide.

Dieser Bericht wird laufend auf den neuesten Stand gebracht.

Bild links oben: Eines des letzten Bilder, die vor dem Safe-Mode Vorfall am 3. Juli übermittel wurden

Bild rechts unten: Eines der letzten Fotos, das New Horizons übermittelte, bevor die Raumsonde in den Sicherheitsmodus ging. Es enstand 13,5 Millionen Kilometer von Pluto entfernt und zeigt ihn zusammen mit seinem Mond Charon.