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AngaraRusslands neue Trägerrakete, die Angara, führte am 9. Juli ihren Jungfernflug durch. Die Angara ist seit vielen Jahrzehnten Russlands erster neuer  Orbitalträger.  Mit ihrer Vielzahl an möglichen Varianten könnte sie eine ganze Reihe bisheriger Trägerraketen ersetzen. Nachdem dieser erste vollständige Test des neuen Trägers eine reine Versuchsmission war, wurde keine Nutzlast mitgeführt. Die Mission führte auch nicht in einen Erdorbit, sondern war suborbital.

Die 43 Meter hohe Rakete startete um 14:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (16:00 Uhr Ortszeit) von der Startanlage 35 des Weltraumbahnhofs in Plesetzk, der etwa 800 Kilometer nördlich von Moskau liegt. Sie flog dabei in der zukünftigen “Grundversion”, der Variante Angara 1.2 Die Mission galt der Erprobung der ersten und zweiten Stufe des neuen Trägers. Chrunitschew, der Hersteller, gab bald nach dem Start bekannt, dass die Rakete das 5.700 Kilometer entfernte Zielgebiet auf der Halbinsel Kamtschatka erreicht habe.

Die Rakete wird über alle Stufen mit der Treibstoffkombination Flüssiger Sauerstoff und Kerosin betrieben. Sie soll Träger ersetzen, die bisher toxische Treibstoffe mit der Kombination Hydrazin und Stickstofftetroxid verwenden, wie etwa die Dnepr, die Rokot und die Proton. Die Mission hatte eine Dauer von nur 21 Minuten.

Die erste Stufe der wurde von einem einzelnen RD-191 Triebwerk von NPO Energosmash angetrieben. Dieses Triebwerk ist eine Einkammervariante des Vierkammertriebwerkes RD-171 und des Zweikammertriebwerks RD-180, mit dem auch die Zenit und die amerikanische Atlas 5 angetrieben werden. Das RD-191 erzeugt einen Bodenschub von etwa 195 Tonnen.

Die zweite Stufe wird von einem einzelnen RD-0124A Triebwerk mit einem Schub von 30 Tonnen betrieben. Dieser Motor ist eine Variante des Drittstufentriebwerks der Sojus 2.1b

Die erste Stufe der Angara trägt die Bezeichnung Universal Rocket Module Nr. 1 (URM 1). Die zweite Stufe wird als “Universal Rocket Module Nr. 2“ (URM 2) bezeichnet.

Die Angara wird zukünftig in einer Reihe von Varianten eingesetzt. Das untere Ende der Skala decken die Angara 1.1 und die Angara 1.2 ab. Die kleinste Variante wird die Briz KM als Zweitstufe einsetzen. Die größere der beiden Angara 1 Versionen wird in Lage sein, Nutzlasten bis 3,8 Tonnen Gewicht in einen 200-Kilometer Orbit mit einer Bahnneigung von 63 Grad zum Äquator zu bringen.

Die Angara 3 bündelt drei URM 1 und kann dann Nutzlasten bis zu einem Gewicht von 14,6 Tonnen in  den 200-Kilometer Orbit bringen.

Die größte bislang in fester Planung befindliche Version der Angara, die Angara 5, wird fünf URM-1 Einheiten bündeln und wird dann in der Lage sein, 24,2 Tonnen Nutzlast in den Orbit zu bringen. Gut vier Tonnen mehr, als die Proton M, die bisher stärkste aktive russische Trägerrakete. Jede dieser stärkeren Versionen setzt ebenfalls nur eine einzelne URM-2 ein. Es ist jedoch möglich, unter Verwendung von verschiedenen Drittstufen die Nutzlastkapazität weiter zu steigern. So wird die Angara auch in der Lage sein, die Briz M-Oberstufe einzusetzen, die gegenwärtig von der Proton M verwendet wird. Russland entwickelt zusätzlich eine leistungsfähige Oberstufe, die mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff betrieben wird.

Eine Angara 7 ist derzeit in der Konzeptionsphase. Sie wird Nutzlasten bis etwa 35 Tonnen Gewicht in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen können.

Die Angara ist die erste russische Rakete, die nicht für einen Einsatz von Baikonur aus bestimmt ist. Ihre Operationsbasen werden Plesetzk und das neue Kosmodrom in Vostochny sein.